Totschnig: „Nicht alle Betrüger sind Radfahrer“

Ex-Radprofi Georg Totschnig (42) erlebten Zweiradfreaks kürzlich in Zams live, wo der Zillertaler im Rahmen einer Einladung des Teams Peto-Tirolwest die Dinge beim Namen nannte. Auch das Thema Doping.

Ex-Radprofi, jetzt Immobilienmakler: Georg Totschnig.
© Zangerl

Von Toni Zangerl

Zams – So hat man „Totsch“ noch selten erlebt: locker, offen, schonungslos, abgeklärt – und längst über den Dingen stehend. Der bald 43-Jährige (Geburtstag am 25. Mai) war zweifellos eine herausragende Erscheinung im rotweißroten Radsport. Von 1993 bis 2006 Profi in den Teams Polti (ITA), Team Telekom und Gerolsteiner (beide GER) – und vor allem Sieger der 14. Etappe der Tour de France 2005 in Ax-3 Domaines. Diesen Karrierehöhepunkt ließ der Hipp­acher in Zams genüsslich über die Videowall ziehen. Dann plauderte er mit den Zuhörern, allesamt Feinspitze der Radszene, über seine Karriere und den Rennsport von heute. Totschnig über ...

... seine Profikarriere: „Ich habe es nie bereut, es war eine richtige Entscheidung.“

... seine Anfänge: „Helmut Wechselberger (Ex-Profi, Anm.) hat mir die Rutsche gelegt. Das Team Polti war perfekt, Team Deutsche Telekom die goldene Zeit und der Wechsel zu Gerolsteiner wie ein Wechsel vom FC Bayern zur Wiener Austria.“

... Chancen: „90 Prozent der Radfahrer wissen, dass sie bei einer Tour de France nicht gewinnen können – aber auch bei der 25. Attacke musst du dabei sein.“

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... Glück: „Das braucht man, um vorne dabei zu sein.“

... Doping: „Nicht alle Betrüger sind Radfahrer geworden. Sicher, alle Guten sind Fußballer ...“ (lacht)

... Spitzensport: „Ich stell’ mich nicht her und rede groß darüber – aber sicher ist: Spitzensport geht garantiert über die Grenzen.“

... sauberen Sport: „Wenn man sauberen und feinen Sport fordert, muss man die Rahmenbedingungen dafür schaffen.“

... heile Welt im Sport: „Der Radsport versucht sein Bestes und sicher mehr als jeder andere Sport.“

... Frust: „Die Leute zipft es doch längst an, nur Negatives in den Medien über den Radsport zu hören.“

... Armstrong und Doping: „Wenn alle sauber wären, dann wäre Lance Armstrong trotzdem der Beste. Er war der einzige Rennfahrer, der immer 100-prozentig alles für den Sport gegeben hat – positiv wie negativ.“

... Radsport in Österreich und die Zukunft: „Ein Dilemma. Die gleichen Leute sind seit Jahren am Ruder. Statt wie in anderen Sportarten ehemalige Sportler zu fragen und ins Team zu holen, passiert nix.“ Ob er je gefragt wurde? „Nein.“ Was wäre die Antwort? „Meine Erfahrung könnte interessant sein, ich bin aber beruflich mit meinem Job (Bauträger, Immobilienmakler, Anm.) ausgelastet, zudem betreue ich meine Buben im Fußballverein.“

... die mediale Wahrnehmung des Radsports in Österreich: „Ganz schlecht. Eurosport zeigt vor, wie Radsport interessant vermittelt werden kann und muss. Der ORF? Da lieber gar keine Übertragung – denn was da gelabert wird, ist einfach unglaublich.“

... die Ö-Tour: „Wenn die attraktivste Etappe auf das Kitzbüheler Horn an einem Montag gesendet wird, sagt das wohl alles über die Planung. Warum nicht die Etappe am Samstag oder Sonntag fahren, wenn der TV-Konsument Zeit hat?“

... Talente: „Die haben es in Österreich schwer. In südlichen Ländern hast du vier Monate länger Zeit, um im Sattel zu sitzen, zu trainieren. Daher muss ein Talent unbedingt nach Italien. Als Profi in Tirol zu leben, das geht nicht. Laufen oder im Jänner Skitouren zu gehen, ist für einen Radprofi einfach tabu.“

... Tirols Hoffnung Stefan Denifl: „Er hat sicher das Talent, der siebente Platz bei Paris – Nizza war ein Fingerzeig. Er ist jetzt im richtigen Team (IAM Cycling/SUI, Anm.) und bei der WM 2013 zeigte er die beste Leistung eines Österreichers seit 20 Jahren.

... Ambitionen: „Als ich meine Profi-Karriere beendete, hab ich das Radl bald in die Ecke gestellt. Jetzt gehe ich laufen, trainiere meine Buben im Fußball und hab’ Freude in meinem Beruf.“


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