Tirols Apothekerchef attackiert Ärztekammerpräsident

Die Stimmung zwischen den Chefs von Ärzte- und Apothekerkammer Tirol ist am Nullpunkt. Grund dafür sind Pläne für eine öffentliche Apotheke in der Gemeinde Wildschönau. Die dortigen Ärzte würden ihre Hausapotheken verlieren und haben bereits laut darüber nachgedacht, ihre Ordinationen zu schließen.

Innsbruck – Der Präsident der Apothekerkammer, Martin Hochstöger, wirft seinem Amtskollegen bei den Ärzten, Artur Wechselberger, vor, „bewusst die Unwahrheit gesagt zu haben“. Hochstöger meint damit Aussagen Wechselbergers, wonach es sich in der Wildschönau um keinen Einzelfall handle. Auch in einer Oberländer Gemeinde sei es nicht gelungen, eine Stelle nachzubesetzen.

Hochstöger zitierte hingegen aus einem Ausdruck von der Homepage der Ärztekammer, wonach am 1. 5. ein Allgemeinmediziner in Pians seinen Dienst antrete. Dies müsse dem Ärztekammerpräsidenten bereits bekannt gewesen sein. „Er hat das nur gesagt, um Ängste zu schüren. Dafür habe ich kein Verständnis.“ Die Frage dürfe nicht Arzt oder Apotheke, sondern müsse Arzt und Apotheke lauten. Es habe in Tirol wie in ganz Österreich noch keinen Fall gegeben, wo eine Kassenarztstelle nicht nachbesetzt werden konnte. Wenn es am Land teils schwierig sei, müsse die Ärztekammer ein Anreizsystem schaffen und könne nicht einfach „auf fremden Wiesen grasen“. Wechselberger habe seine Aussagen nur getätigt, um Ängste zu schüren, und solle deshalb zurücktreten, forderte Hochstöger.

Der Angesprochene erklärte, er nehme diese Forderung genauso wenig ernst wie die Vorwürfe. „Ich habe nur ein Stimmungsbild der Ärzte aus der Wildschönau weitergegeben.“ Die Besetzung in Pians sei erst am vergangenen Mittwoch beschlossen worden.

Wechselberger betont, dass es Anreize brauche, um Ärzte zu bewegen, gerade in kleinere Landgemeinden zu gehen. Die Hausapotheke sei dabei nicht nur wirtschaftlicher Faktor, sondern auch eine Möglichkeit, Menschen in entlegenen Gegenden gut mit Medikamenten zu versorgen. Wechselberger wünscht sich den stärkeren Schutz der Hausapotheken, auch ein Nebeneinander hält er für möglich. Er vermutet, dass in der Apothekerkammer angesichts des Online-Versands von Medikamenten (die TT berichtete) „die Nerven blank liegen“. Er wolle keinen Streit und werde das Gespräch mit Hochstöger suchen. (cm)


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