Gurlitt erhält Sammlung binnen eines Jahres zurück

Deal mit Bayern und Bund: Ein Jahr lang wird auf Raubkunstverdacht geprüft, dann geht die Sammlung zurück an Gurlitt.

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© REUTERS/Dominic Ebenbichler

München –Der betagte Kunstsammler Cornelius Gurlitt (81) hat Monate nach dem Bekanntwerden seiner sensationellen Bildersammlung zugestimmt, unter Raubkunstverdacht stehende Werke gegebenenfalls zurückzugeben. Der 81-Jährige einigte sich vertraglich mit Bayern und der Bundesregierung, wie alle Seiten am Montag mitteilten. Gurlitt bekommt seine Bilder spätestens innerhalb eines Jahres zurück. Die beschlagnahmten Werke, die unter Raubkunstverdacht stehen, bleiben so lange in gesichertem Gewahrsam und außerdem auf der Online-Plattform „Lostart“. Die Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ werde alle betroffenen Bilder binnen eines Jahres überprüfen. „Kunstwerke, für die innerhalb der Jahresfrist die Provenienzrecherche durch die Taskforce nicht abgeschlossen wurde, werden an Cornelius Gurlitt herausgegeben.“ Dieser gewährleiste aber „die weitere Zugänglichmachung für die Fortsetzung der Provenienzrecherche“, heißt es in der Einigung, die der TT vorliegt. Gurlitt könne demnach auch „zumindest einen Wissenschaftler in die Taskforce entsenden“, damit auch seine eigenen Interessen gewahrt bleiben.

Auch in seinem Salzburger Haus waren zahlreiche wertvolle Bilder gefunden worden, auf die die deutschen Behörden allerdings keinen Zugriff haben. In dem verwahrlost wirkenden Anwesen wurden 238 Kunstgegenstände gefunden – darunter Ölgemälde und Aquarelle von Monet, Renoir, Manet, Gauguin, Liebermann, Cézanne und Nolde sowie Zeichnungen von Picasso und Munch.

„Auf der ganzen Welt schaut man darauf, welche Antwort wir auf diese Fragen finden – und diese Vereinbarung ist eine gute Antwort“, sagte Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU). „Ich wollte immer, dass mit Herrn Gurlitt geredet und eine einvernehmliche Lösung für den weiteren Umgang mit den Bildern gefunden wird. Er steht zu seiner moralischen Verantwortung. Das erkenne ich ausdrücklich an.“ Die Kosten für die Herkunftsrecherche wird die öffentliche Hand übernehmen – und zwar nicht nur für die rund 500 unter Raubkunstverdacht stehenden Bilder, sondern auch „für den Fall, dass weitere, bisher nicht beschlagnahmte Kunstwerke eingebracht werden sollten“.

Anfang 2012 hatten Steuerfahnder im Zuge von Ermittlungen in der Münchner Wohnung von Cornelius Gurlitt, Sohn des für die Nazis tätigen Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, rund 1280 Kunstwerke entdeckt und beschlagnahmt. Rund 500 der zum Teil sehr wertvollen Objekte stehen im Verdacht, NS-Raubkunst zu sein.

Nachdem der Kunstsammler lange wie der Getriebene gewirkt hatte, kehrten sein Betreuer und seine Anwälte den Spieß in den vergangenen Wochen nach und nach um. Sie legten Beschwerde gegen die Beschlagnahmung der Sammlung ein. Ende Mai verkündete Gurlitts Sprecher, der Sammler beabsichtige die Rückgabe von Werken aus jüdischem Besitz. Im Fall der „Sitzenden Frau“ von Matisse stand man kurz vor einer Einigung, jetzt verzögert sich die Rückgabe: Neben den Erben des jüdischen Kunstsammlers Paul Rosenberg habe sich ein weiterer Antragsteller gemeldet, hieß es am Montag. Auch in diesem Fall soll es jetzt eine Zusammenarbeit mit der Taskforce geben. (APA, dpa, TT)


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