Wenn die 72-jährige Obfrau in der Bundesliga den Dress überstreift

„Seht, was ihr mit unserer Bundesliga gemacht habt.“ Nicht nur den Innsbrucker Klubs passen die Regelungen des Volleyballverbandes nicht.

Mit 72 Jahren noch in der Bundesliga: Therese Achammer jubelte mit Shannon Thompson, Carrie Gurnell und U15-Spielerin Linda Margreiter.
© VCT

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Therese Achammer nahm nach ihrer Einwechslung den Ball und servierte. „Von unten, damit alle sehen, was für eine Farce das ist“, sagt die VC-Tirol-Obfrau verärgert. Alle sollten sehen, was mit der höchsten Spielklasse im nationalen Damen-Volleyball passiert sei. Einzig dass sie mit ihren 72 Jahren nun die mit Abstand älteste Bundesligistin ist, kann ihr ein Lächeln entlocken: „Es hat mir schon etwas gegeben, aber was wir machen, ist nicht lächerlich. Ich wollte nur zeigen, was unsere Liga wert ist, wenn ich noch am Feld stehen kann und vor allem auch musste.

U19-Spielerinnen blieben zuhause

Wie Achammer zu ihrem Einsatz kam? Gegner Sokol Wien hatte das zweite Spiel um Platz sieben am Sonntagvormittag angesetzt, und damit ausgerechnet zum Termin des Tiroler U19-Finales, in dem der VCT gegen die TI um den Meistertitel spielte. Eine Verschiebung war nicht möglich.

Es hat mir schon etwas gegeben, aber was wir machen, ist nicht lächerlich. Ich wollte nur zeigen, was unsere Liga wert ist, wenn ich noch am Feld stehen kann und vor allem auch musste.
Therese Achammer, Obfrau VCT

So krempelte der VCT um, ließ die sieben U19-Spielerinnen der Bundesliga sowie Trainer Didi Gassler daheim und meldete zwei U14-Mädchen nach sowie zwei alte Bekannte: Ex-Aufspielerin Michaela Silvestri und ihre Mama Coach Therese Ach- ammer. „Sonst wären wir nicht zu zehnt gewesen und hätten Strafe zahlen müssen“, sagt die Spielertrainerin nach dem 3:1-Sieg und siebenten Abschlussrang zufrieden über den Clou – auch über Platz zwei in der U19-Meisterschaft, die TI-Volley im entscheidenden Satz mit 30:28 für sich entschied.

„Ich finde es gut, dass sie ein Zeichen gesetzt hat, um zu sagen: ,Schaut, wie doof ihr seid‘“, unterstützt TI-Obmann Michael Falkner, der am Samstag trotz Einsatz der Tyrolean-Angels-Cheersleaders ein 2:3 und Endrang vier hinnehmen musste.

Nicht nur einmal stieß ihm heuer selbst die Zehn-Frau-am-Spielplan-Regel sauer auf. „Vier Mal. Aber was soll man bei Wochentags-Terminen machen? Oder wenn jemand in der Nacht davor krank wird?“, ärgert sich Falkner. 500 Euro werden jeweils pro fehlender Frau fällig. So wie beispielsweise auch rund 150 Euro für eine Werbung am Netzband zu entrichten seien. „Das sind reine Geldbeschaffungsmaßnahmen des Verbandes auf Kosten der Vereine“, poltert Falkner.

Harte Strafen für Europacup-Absage

Auch die Verpflichtung, im Europacup starten zu müssen, hält der TI-Boss für sinnlos: „Wir sind die Bravsten in Europa, aber zugleich auch die Deppen.“ Weder in Deutschland noch in Belgien würden alle im Europacup spielen müssen. Bei Absage straft der Verband mit 10.000 Euro, Zwangsabstieg und drei Jahren Erstliga-Verbot.

Der Ärger in den Damen-Vereinen ist groß: die Dreiteilung der zweiten Liga, die Terminansetzungen im Play-off und so weiter. Jüngster Gipfel: der scheinbar beliebige Einsatz von Spielerinnen bei Sokol und im MEVZA-Team Post Wien am selben Spieltag im Play-off. „Das gehört in den Statuten geändert“, wundert sich in Salzburg auch Trainer Uli Sernow. Zumindest das könnte sich bald von selbst erledigen: Dem Vernehmen nach trete Sokol kommende Saison nicht mehr an.

Den Frauen-Klubs reicht es. Hartberg, Eisenerz, Linz – alle würden die Liga in Frage stellen, sagt Therese Achammer. Bevor die Ausschreibung des Verbandes kommt, will man sich noch einmal zusammensetzen. Achammer: „Wir wollen nicht mehr nur Lippenbekenntnisse, dass einem die Damenliga wichtig sei.“


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