Steinbacher-Chef sieht große Lücke im Wohnbau

Dämmen, um Räume im Sommer zu kühlen – ein Thema, das laut Steinbacher-Chef Roland Hebbel bei uns vernachlässigt wird.

© Andreas Rottensteiner / TT

Wie hat sich die Dämmstoffbranche im vergangenen Jahr entwickelt?

Roland Hebbel: 2013 war für den Bau ein sehr forderndes Jahr: Der Winter hat lange gedauert, daher startete die Bausaison relativ spät. Durch die vier- bis sechswöchige Verzögerung gerieten einige Firmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Insgesamt hinkte der Umsatz der Branche im 1. Halbjahr um bis zu 20 Prozent im Vergleich zum Halbjahr 2011/12 hinterher. Einen Nachholeffekt gab es im 2. Halbjahr in manchen Regionen wegen des Hochwassers nicht. Daher ist am Ende des Jahres ein kleines Minus von sechs bis acht Prozent herausgekommen.

Um die Baukonjunktur anzukurbeln, hat die Bau- und Dämmstoffindustrie der Bundesregierung ein Forderungspaket überreicht.

Hebbel: Die Ansätze der Bundesregierung waren in Ordnung, aber die Umsetzung ist derzeit das größte Problem.

Woran hakt es?

Hebbel: Der Bund hat 276 Millionen Euro für den Wohnbau zur Verfügung gestellt. Doch die Länder müssen diese Summe aufdoppeln, sonst wird das Geld nicht ausgeschüttet. Manche Bundesländer wie Kärnten oder Salzburg, die sich derzeit in einer Konsolidierungsphase befinden, werden sich hüten, das zu machen. Denn das sind große Summen. Tirol ist Gott sei Dank ein finanziell gesundes Land, daher stellt es das Geld bereit. Es besteht jedoch die Gefahr, dass der Bund nichts mehr für den Wohnbau unternimmt, da vielleicht nicht das ganze Geld abgeholt wird.

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Besteht überhaupt Bedarf?

Hebbel: Der Bedarf an Wohnungen existiert. Das zeigen die Wohnungspreise, die in den Ballungszentren exorbitant hoch sind. Österreich benötigt pro Jahr zwischen 50.000 und 55.000 Wohneinheiten. In den vergangenen drei Jahren wurden jedoch nur jeweils 40.000 verwirklicht. Da ist eine Lücke entstanden, die in kurzer Zeit nicht mehr geschlossen werden kann.

Welche Innovationen sind seitens der Dämmstoffindustrie zu erwarten?

Hebbel: Die Branche war in den vergangenen 20 Jahren schon sehr innovativ. Dieses Tempo werden wir nicht beibehalten können, wir stoßen an Grenzen. Der Energieverbrauch der Gebäude ist gesunken, gleichzeitig die Wohnqualität gestiegen. Was wir in unseren Breitengraden komplett außer Acht lassen, ist der sommerliche Wärmeschutz. Um eine Wohnung zu kühlen, brauche ich dreimal so viel Energie wie zum Heizen. Das ist gerade in Städten ein Riesenthema. Die Reduktion dieser Kühlenergie erreicht man ebenso durch Wärmedämmung und andere Maßnahmen. Das nützt auch uns Steuerzahlern, da wir weniger Strafe wegen möglicher Überschreitung der CO2-Ziele zahlen müssen.

Kritiker bezweifeln, ob der Nutzen des Einpackens von Gebäuden mit einer Dämmung von 30 Zentimetern überhaupt in einem vertretbaren Kosten-Nutzen-Verhältnis steht?

Hebbel: Wenn ich heute ein Gebäude saniere, muss ich es neu verputzen, malen usw. Das sind die sogenannten Soundso-Kosten. Daraus resultiert dann eine Gesamtinvestitionssumme, die bezogen auf die reine Wärmedämmung nicht transparent und fair erscheinen. Wenn man aber nur die Mehrkosten betrachtet, die die Wärmedämmung definitiv auslöst, dann rechnen sich die Dämmmaßnahmen innerhalb von 5 bis 10 Jahren.


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