Mölzer zieht sich komplett von FPÖ-Liste zurück

Der umstrittene freiheitliche Europamandatar wird bei der EU-Wahl nicht kandidieren. Er habe jedoch „nichts Unredliches“ getan und sei nur Opfer der „Hetze“ der Medien und der „ultralinken Jagdgesellschaft“, erklärte Mölzer.

Andreas Mölzer verzichtet auf eine Kandidatur bei der EU-Wahl.
© APA

Wien – Nun wurde der Druck offenbar doch zu groß: Andreas Mölzer verzichtet komplett auf eine Kandidatur bei der kommenden EU-Wahl am 25. Mai für die FPÖ. Mölzer stelle klar, „dass er sich gänzlich von der FPÖ-Liste für die EU-Wahl zurückzieht“, hieß es in einer Stellungnahme seines Sprechers zu Mittag. Zuvor hatte es noch geheißen, er werde sich zwar als Spitzenkandidat zurückziehen, aber an wählbarer Stelle kandidieren. Auf die Frage, ob für Mölzer eine Kandidatur komplett ausgeschlossen ist - er etwa mit einer eigenen Liste oder für eine andere Liste kandidieren könnte - konnte sein Sprecher keine Antwort geben. Mölzer stehe erst ab Mittwochmittag für weitere Auskünfte zur Verfügung, hieß es

FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache, der seinem Spitzenkandidaten zunächst den Rücken gestärkt hatte, hatte sich am Montag mit Mölzer zu einem Krisengespräch getroffen. Damit wird Harald Vilimsky neuer Spitzenkandidat der Freiheitlichen.

Mölzers Rückzug war eine anhaltende Debatte über diverse Äußerungen des Politikers vorangegangen, die bei einer Diskussionsveranstaltung in Wien getätigt hatte. Etwa hatte er die EU mit dem Dritten Reich verglichen und von einem „Negerkonglomerat“ mit Sitz in Brüssel gesprochen (siehe Zitate unten).

„Nichts Unredliches getan“

„Nicht der anhaltende Druck der gesamten politisch korrekten Medienlandschaft des Landes und die geheuchelte Empörung des politischen Establishments der Republik, auch nicht die von der ultralinken Jagdgesellschaft organisierte Hetze zwecks strafrechtlicher Verfolgung meiner Person veranlassen mich dazu. Es ist der offensichtliche Vertrauensverlust in meiner Partei, der mich dazu bewegt“, so Mölzer in seiner Stellungnahme.

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Mölzer betonte, diesen Schritt für seine Partei zu tätigen: „Um der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft, für die ich jahrzehntelang als Publizist, Zeitungsmacher und Abgeordneter gekämpft habe, keinen Schaden zuzufügen, setze ich von mir aus diesen Schritt. Dies in der Gewissheit, nichts Unredliches getan zu haben, außer der politisch nicht korrekten Formulierung nonkonformistischer Meinungen.“

Bereits 20.000 Unterstützer für Anzeige

Einer vom Vorarlberger Schriftsteller Michael Köhlmeier angekündigten Anzeige gegen Mölzer wegen Verhetzung haben sich bis Mittwochvormittag knapp 20.000 Personen via Online-Petition angeschlossen. Bis Donnerstag ist es noch möglich, sich über die Webseite von SOS Mitmensch ( www.sosmitmensch.at ) an der Anzeige zu beteiligen. Am Freitag will Köhlmeier dann die Anzeige mit den Namen aller Personen, die sie mittragen, der Staatsanwaltschaft persönlich übergeben. (tt.com, APA)

Mölzer im O-Ton

„Negerkonglomerat“ . Die Süddeutsche Zeitung hat im März Zitate von Andreas Mölzer von einer Diskussionsveranstaltung veröffentlicht. Mölzer dabei zur EU: „Entweder sind wir ein Negerkonglomerat, totales Chaos, sage ich jetzt bewusst brutal politisch nicht korrekt. Wo das Chaos sich vermehrt, wo Massenzuwanderung, wo institutionelles Chaos ...“

„Wie im Dritten Reich“

. Mölzer bei derselben Veranstaltung: „Es ist wirklich so, dass die Europäische Union ... zu einer politisch korrekten Bürokratur wird, zu einer paternalistischen Diktatur, die den Menschen alles vorschreibt, die im Inneren eine Reglementierungsdynamik entwickelt, wo die alte Sowjetunion oder auch das Dritte Reich wahrscheinlich harmlos und liberal fast, möchte ich sagen, auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt missverstanden werde, waren.“

„Pechrabenschwarz“

. Mölzer bestreitet, folgenden Kommentar unter dem Pseudonym „F. X, Seltsam“ in seiner Zeitschrift Zur Zeit selbst verfasst zu haben: „David Alaba aus Wien. Dieser lässt sich gerne in Lederhose abbilden und mit der Aussage zitieren: ‚Ich bin ein echter Wiener.‘ Nichts besonderes wäre das, wenn der 19-jährige echte Wiener – zurzeit möglicherweise medial der bedeutendste Österreicher – nicht pechrabenschwarz wäre.“


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