Japans Notenbank verzichtet auf neue Geldspritzen

Die deflationäre Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen, die Japans Wirtschaft lange lähmte, wird nach Einschätzung der Notenbank bald der Vergangenheit angehören.

Tokio - Trotz einer drohenden Wachstumsdelle verzichtet die Zentralbank Japans auf zusätzliche Geldspritzen. Die Bank von Japan (BoJ) beschloss am Dienstag, den Kauf von Wertpapieren in Höhe von jährlich umgerechnet 424 bis 495 Mrd. Euro beizubehalten. Die Entscheidung fiel nur wenige Tage nach einer Mehrwertsteuererhöhung, die die Wirtschaft nach Ansicht von BoJ-Chef Haruhiko Kuroda nur kurzfristig dämpfen wird: „Ich sehe keinen Grund, die Geldpolitik jetzt weiter zu lockern“, betonte Kuroda.

Die deflationäre Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen, die Japans Wirtschaft lange lähmte, wird nach Kurodas Einschätzung bald der Vergangenheit angehören. Binnen Jahresfrist soll die Inflationsrate auf zwei Prozent steigen - unter anderem als Folge der lockeren Geldpolitik. Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe erhöhte die Mehrwertsteuer zu Beginn dieses Monats von fünf auf acht Prozent, um die ausufernde Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Dadurch dürfte die Konsumfreude der Japaner einen deutlichen Dämpfer erhalten. Experten rechnen sogar damit, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal leicht schrumpfen wird. Dies wird aus Sicht der BoJ dem Aufschwung aber nichts anhaben können.

Anleger enttäuscht

Kuroda rechnet damit, dass sich die Wirtschaft ab dem Sommer wieder erfangen wird, da sich die Lage am Arbeitsmarkt und die Einkommensaussichten voraussichtlich verbesserten. Dennoch lässt sich der Notenbankchef eine Hintertür für neue Konjunkturstützen offen: „Man sollte jetzt nicht über mögliche Eventualitäten reden, aber es gibt immer Spielraum für verschiedene Optionen“, betonte Kuroda.

Viele von Reuters befragte Experten erwarten, dass die Notenbank die Geldpolitik im Sommer weiter lockern wird. Sie bezweifeln, dass die im Februar auf 1,3 Prozent gestiegene Kerninflationsrate, bei der Preise für verderbliche Lebensmittel ausgeklammert werden, ohne weitere geldpolitische Impulse spürbar steigen wird. Investoren an der Tokioter Börse zeigten sich enttäuscht, dass die japanische Notenbank den Geldhahn nicht jetzt schon weiter aufgedreht hat. Der Nikkei-Index verlor 1,4 Prozent. Der Yen behauptete sich. (APA/Reuters)


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