Langlauf-Chef Gandler fehlt der Glaube an Einzeltäter

Nach dem Dopingfall Johannes Dürr steht der Sparte Langlauf ein Umbruch bevor. Morgen soll darüber befunden werden.

Der Dopingfall Johannes Dürr (l.) brachte die ÖSV-Sparte Langlauf um Sportdirektor Markus Gandler (r.) in die Bredouille.
© Gepa

Von Florian Madl

Innsbruck – Die Konferenz der Landespräsidenten in Innsbruck steht bevor (Mittwoch), aus Sicht der heimischen Langlauf-Szene ein Tag der Entscheidung. Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbands (ÖSV), hatte nach dem Dopingfall von Senkrechtstarter Johannes Dürr laut über Subventionen nachgedacht: „Wenn man mit den Langläufern nur Probleme hat, muss man überlegen, wie weit die noch gefördert werden.“ Man wolle nicht immer die Krot der anderen fressen. Zwischen 800.000 und 900.000 Euro hätte man zuletzt in die Sparte gesteckt, die seit dem Skandal bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin ohnehin mit Argusaugen beäugt wird.

ÖSV-Sportdirektor Markus Gandler musste sich im Zuge des Dopingfalls Johannes Dürr bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi (RUS) vor allem um die Aufarbeitung kümmern, weiter sei man damit nicht gekommen. „Es gibt keine neue Erkenntnis, auch wenn ich nach wie vor nicht an die Einzeltätertheorie glaube.“ Dürr will seinen Missbrauch eigenen Aussagen zufolge ohne Unterstützung von Hintermännern begangen haben.

Der Salzburger wurde bereits aus dem Verband ausgeschlossen, ÖSV-Direktor Gandler beschäftigt zumindest diese Personalie nicht mehr. Wichtig sei, dass aus der österreichischen Mannschaft kein weiterer Akteur betroffen sei, international glaube er nicht mehr an die Unbeflecktheit des Sports. „Ich war so naiv, daran zu glauben. Aber Dürr wird nicht der Einzige gewesen sein, da brauchen wir uns nichts vorzumachen.“

Gandler versteht auch den Ärger von Präsident Schröcksnadel, der gar eine Ausgliederung der Langläufer aus dem Österreichischen Verband ins Rennen brachte. Möglicherweise kommt es morgen zu einem Kompromiss: Das Hauptaugenmerk würde damit künftig auf den heimischen Nachwuchs gelegt werden. Auch im Hinblick auf die Bewerbung für die nordische Ski-Weltmeisterschaft 2019 in Seefeld (Entscheidung am 5. Juni 2014) wäre ein Kahlschlag wohl das falsche Signal.

Unmut hatte zuletzt auch Remo Krug geäußert, dessen Vertrag als Biathlon-Nationaltrainer nicht verlängert worden war. Die Entscheidung sei „nicht aus heiterem Himmel“ gefallen, entgegnet Gandler den Vorwürfen des Deutschen. Der 51-Jährige passe schlichtweg nicht zum eingeschlagenen Weg der Verjüngung im ÖSV.


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