Der „Libero“ aus dem rechten Flügel stolperte über Alaba

Ein Vergleich der EU mit der NS-Diktatur und einem „Negerkonglomerat“ und ein rassistischer Artikel seiner Zeitung „Zur Zeit“ über Österreichs Vorzeige-Fußballer David Alaba sind FPÖ-Politiker Andreas Mölzer zum Verhängnis geworden. Er gab am Dienstag bekannt, auf eine Kandidatur bei der EU-Wahl im Mai zu verzichten.

Andreas Mölzer zog seine Kandidatur zurück und begründete den Schritt mit einem "Vertrauensverlust" innerhalb der Partei.
© APA/HERBERT PFARRHOFER

Wien - Seit Jahrzehnten gab sich Andreas Mölzer als intellektuelles Aushängeschild des nationalen Lagers der FPÖ, das nie um kantige Worte verlegen war. Sein Vergleich der EU mit dem Dritten Reich, sein Sager über ein „Negerkonglomerat“ und ein ihm zugeschriebener rassistischer Kommentar über David Alaba führten zu einem „Vertrauensverlust“ seiner Partei - und zu seinem kompletten Rückzug als Kandidat auf der FPÖ-Liste für die EU-Wahl.

Aus der geplanten „Doppelspitze“ mit Harald Vilimsky wird nun nichts mehr. Eigentlich hätte der langjährige EU-Abgeordnete gemeinsam mit Vilimsky die Freiheitlichen beim Urnengang im Mai zu neuen Höhen auf Europa-Ebene führen sollen. Doch die umstrittenen Aussagen brachten ihm nicht nur Kritik von außen ein, selbst die eigene Partei distanzierte sich von ihm.

Strache rückte von seinem „Libero“ ab

Auch Parteichef Heinz-Christian Strache - der im Jänner Mölzer noch als „Libero“ für den EU-Wahlkampf bezeichnet hatte - sprach nach Bekanntwerden der Aussagen von einer „Optik, über die man sprechen muss“. Nach einem persönlichen Gespräch zwischen den beiden und der Ankündigung eines Parteivorstandes, der sich mit der Causa befassen soll, preschte Mölzer nach vorne und verkündete seinen Rückzug.

Mölzer sitzt seit knapp zehn Jahren im EU-Parlament. Bei den letzten beiden Urnengängen 2004 und 2009 waren ihm keine großen Glanzstücke gelungen, was freilich wohl weniger an ihm als am Zustand der Partei und den Umständen der Wahlen gelegen hat. Verantwortlich für die 2009 nur 12,7 Prozent an Stimmen war wohl in erster Linie die Popularität von Hans-Peter Martin, die den Blauen zu schaffen machte - wobei Mölzer selbst wohl auch nur in den freiheitlichen Kernschichten ein Star ist.

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Mölzer im O-Ton

„Negerkonglomerat“ . Die Süddeutsche Zeitung hat im März Zitate von Andreas Mölzer von einer Diskussionsveranstaltung veröffentlicht. Mölzer dabei zur EU: „Entweder sind wir ein Negerkonglomerat, totales Chaos, sage ich jetzt bewusst brutal politisch nicht korrekt. Wo das Chaos sich vermehrt, wo Massenzuwanderung, wo institutionelles Chaos ...“

„Wie im Dritten Reich“ . Mölzer bei derselben Veranstaltung: „Es ist wirklich so, dass die Europäische Union ... zu einer politisch korrekten Bürokratur wird, zu einer paternalistischen Diktatur, die den Menschen alles vorschreibt, die im Inneren eine Reglementierungsdynamik entwickelt, wo die alte Sowjetunion oder auch das Dritte Reich wahrscheinlich harmlos und liberal fast, möchte ich sagen, auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt missverstanden werde, waren.“

„Pechrabenschwarz“ . Mölzer bestreitet, folgenden Kommentar unter dem Pseudonym „F. X, Seltsam“ in seiner Zeitschrift Zur Zeit selbst verfasst zu haben: „David Alaba aus Wien. Dieser lässt sich gerne in Lederhose abbilden und mit der Aussage zitieren: ‚Ich bin ein echter Wiener.‘ Nichts besonderes wäre das, wenn der 19-jährige echte Wiener – zurzeit möglicherweise medial der bedeutendste Österreicher – nicht pechrabenschwarz wäre.“

Zumindest bis zum Bekanntwerden seiner nun in Diskussion stehenden Aussagen durfte sich Mölzer auf ein deutlich besseres Ergebnis einstellen - hat doch Martin auf eine erneute Kandidatur verzichtet, und die FPÖ befindet sich nach der Neuauflage von Rot-Schwarz im Bund laut Umfragen in einem Höhenflug.

„Das rechtsintellektuelle Lager bin ich“

Mölzer kommt aus dem ganz rechten Flügel der FPÖ. Er war auch einer der wesentlichsten Betreiber der Spaltung der Freiheitlichen im Jahr 2002 in Knittelfeld. Besser weniger Stimmen, dafür Rückkehr zu den alten Werten, lautete das Credo des Publizisten, der in den 90er-Jahren in einem „profil“-Interview über sich selbst meinte: „Das rechtsintellektuelle Lager bin ich allein.“

Hervorgetan hat sich der gebürtige Steirer, der mit seiner Frau und sechs Kindern am Ossiachersee in Kärnten lebt, auch in erster Linie als Publizist. Als Chefredakteur der FP-Wochenzeitung „Kärntner Nachrichten“ (bis 1990) wurde er ein Getreuer Jörg Haiders. 1990 wurde er Chef des Freiheitlichen Bildungswerkes, 1991 Kärntner Bundesrat.

Ein Bruch mit Haider folgte allerdings und Mölzer, der unter anderem für die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als „rechtsextrem“ eingestufte Postille „Aula“ schrieb, verlegte sich wieder aufs Publizieren und gründete 1997 das Magazin „Zur Zeit“, das er bis heute betreibt. Nebenbei schrieb er diverse Bücher, unter anderem den utopischen Roman „Der Graue“ und Lyrik-Bände. Star-Germanist Wendelin Schmidt-Dengler verspottete ihn dafür als „Kasnudel-Hölderlin“.

Eklat um „Umvolkung“-Sager

Der Öffentlichkeit bekannt wurde der Vorsitzende der Alten Herren des Corps Vandalia im Februar 1992: Vor dem Freiheitlichen Akademikerverband äußerte er seine Befürchtung, dass sich in Deutschland und Österreich eine „Umvolkung“ anbahne. Dieser Eklat sorgte nicht nur für massive Kritik, sondern führte indirekt auch zur Abspaltung von Heide Schmidt von der FP und zur Gründung des Liberalen Forums.

Historische Ausritte kennzeichneten auch den weiteren Weg Mölzers. Die Parteispitze schockierte der EU-Abgeordnete etwa 2005 beim 60. Jahrestag zum Gedenken der Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Auschwitz. Als einer von nur wenigen Europaparlamentariern weigerte er sich, für eine Auschwitz-Resolution zu stimmen, die Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit verurteilte, weil „mit dem Leid der Opfer tagespolitische Ambitionen verbunden werden“, wie er damals erklärte.

Dass er überhaupt ins EU-Parlament kam, verdankte Mölzer einer Gewaltanstrengung des ganz rechten dritten Lagers. Mit einer Vorzugsstimmenkampagne schob er sich 2004 von Platz drei aus auf das einzige Mandat, das die damals in einer tiefen Krise befindlichen Freiheitlichen erlangten. Die politische Karriere von Spitzenkandidat Hans Kronberger war dagegen zu Ende.

Im Jahr 2005 war Mölzer dann auch ein wesentlicher Player rund um die Abspaltung des BZÖ von der FPÖ. Nach wochenlangen Querelen um seinen Parteiausschluss - nachdem er als scharfer Kritiker der damaligen Parteilinie unter Jörg Haider aufgetreten war - beschloss die Spitze der Freiheitlichen dann im Frühjahr 2005 sich abzuspalten.

„Bewunderer“ von Haider und Strache

Mölzer stand Heinz-Christian Strache nach der Spaltung treu zur Seite. Publizistischer Bewunderer war der am 2. Dezember 1952 in Leoben Geborene von beiden Parteichefs. Haider, für den er eine Zeit auch als Kärntner Kulturberater arbeitete, widmete er das Werk „Jörg! Der Eisbrecher“, Strache wurde von ihm mit dem Werk „Neue Männer braucht das Land“ bedacht. (APA, TT.com)


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