Ställe in Zirl werden zum Politikum

Gegen den Willen von „Zirl Aktiv“ stellte der Gemeinderat die Weichen für landwirtschaftliche Betriebe in der Schönau.

Von Denise Daum

Zirl –„Überrascht“ zeigt sich Zirls Bürgermeister Josef Kreiser (Zirl Aktiv) darüber, dass sich die Mehrheit des Gemeinderats für eine Umwidmung in der Zirler Schönau ausgesprochen hat. So wurde mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ, Grüne und FPÖ aus landwirtschaftlicher Freihaltefläche im Süden von Zirl die Sonderfläche landwirtschaftlicher Stall/Betrieb. „Damit ist den Privatinteressen von zwei Bauern Folge geleistet worden“, kritisiert Kreiser.

Die Fortschreibung des Raumordnungskonzepts sei im Laufen, „wenn jetzt Einzelwidmungen gemacht werden, sind wir weg von einer geordneten Entwicklung“, sieht Kreiser den Beschluss problematisch und verweist auf das bestehende landwirtschaftliche Nutzungsgebiet im Westen von Zirl. Dort – in der Zirler Aue – seien die Preise deshalb aber „gewaltig gestiegen“ hält Karl Pjeta (Frischer Wind und Grüne) entgegen. „Wir müssen den Bauern eine leistbare Möglichkeit bieten, aus dem Dorf rauszukommen, wo sie genug Platz für ihre Tiere haben“, betont Pjeta.

Unverständlich ist für den Bürgermeister auch der Meinungsschwank mancher Gemeinderäte. Der Raumordnungsausschuss habe sich einstimmig gegen eine Umwidmung ausgesprochen. „Und dann wird im Gemeinderat aufgrund von privaten Motiven und politischem Lobbying dafür gestimmt“, ärgert sich Kreiser.

„Natürlich vertreten wir auch die Interessen der Landwirte in Zirl“, sagt Robert Kaufmann (ÖVP) dazu. „Das ist aber sicher keine Lobbyarbeit.“ Für Kaufmann spricht nichts dagegen, Ställe aus dem Dorf auszusiedeln, und damit Nebenerwerbsbauern eine „artgerechte Tierhaltung zu ermöglichen“. Den Meinungswandel begründet er mit der angeregten Diskussion im Gemeinderat.

Thomas Öfner (SPÖ) betont, dass seine Partei das Raumordnungskonzept nicht boykottiere. Man sei aber für eine „Aussiedelung landwirtschaftlicher Kleinbetriebe aus dem Ortskern, die dort keine Möglichkeit vorfinden, einen modernen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen“.

Die Umwidmung ist zwar gegen den Willen der Bürgermeister-Fraktion nun beschlossene Sache. Trotzdem hat Karl Pjeta seine Bedenken. „Ich nehme an, dass Zirl Aktiv nun die Umsiedlung so lang wie möglich rauszögern und ein Gutachten nach dem anderen verlangen wird. Das ist eine typische Aktion der Fraktion“, sagt Pjeta.


Kommentieren


Schlagworte