2020 werden 390.000 Österreicher Krebs haben

Die Zahl der Menschen mit der Diagnose Krebs wird in den nächsten Jahren dramatisch steigen. Eine Folge: Es braucht mehr Fachärzte.

© TT / Thomas Boehm

Wien –Zunächst die gute Nachricht: Die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, hat seit dem Jahr 2000 bei fast allen Altersgruppen abgenommen. So lag die Inzidenzrate – sprich, die Zahl der Neuerkrankungen – 2000 bei 465,3 Personen pro 100.000 Einwohner. Im Jahr 2010 waren es 461,7 pro 100.000 Einwohner. Und im Jahr 2020 sollen es 451 neue Fälle pro 100.000 Menschen sein.

Die Kehrseite der Medaille: Die Zahl der Menschen mit Krebs (Prävalenz) wird bei den meisten Krebsarten bis 2020 dennoch ansteigen – um 60 bis 80 Prozent. „Wir haben Krebs immer besser im Griff, die Menschen leben länger mit dieser Diagnose. In immer mehr Fällen gelingt auch die Heilung bzw. immer häufiger können wir Krebs zu einer chronischen Erkrankung machen“, nennt Univ.-Prof. Hellmut Samonigg, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO), die Gründe. Ein weiterer Grund: Aufgrund des demographischen Wandels würden die Österreicher immer älter. „Und das hat zur Folge, dass insgesamt mehr Menschen gleichzeitig zu behandeln sind.“

Die nackten Zahlen jedenfalls sind dramatisch: So lebten 2000 in Österreich rund 190.000 Menschen mit Krebs, im Jahr 2010 waren es bereits 305.000. „Im Jahr 2020 könnten es 390.000 sein“, erklärt Univ.-Prof. Bernhard Güntert von der Haller Privatuniversität UMIT. Er hat sich im Auftrag der OeGHO mit diesem Thema in einer Studie beschäftigt.

Dieser 150 Seiten umfassende Report wird wohl auch Gesprächsstoff bei der am Donnerstag in Innsbruck startenden Tagung der OeGHO­ bieten, zu der 600 Teilnehmer aus ganz Österreich erwartet werden.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Denn soviel steht fest: Die Gesundheitspolitik wird sich auf diesen steigenden Bedarf an Versorgungsleistungen für Krebspatienten einstellen müssen. So soll laut Studie die Zahl der für die Betreuung der Krebspatienten notwendigen Hämatologen und Onkologen von derzeit 356 in Österreich auf 494 im Jahr 2020 ansteigen. Durch die in den kommenden Jahren auftretende Pensionierungswelle bei den Ärzten werde der zusätzliche Bedarf auf weitere 170 bis 200 Spezialisten geschätzt.

„Der Bedarf an diagnostischen, therapeutischen und betreuerischen Leistungen für Krebspatienten nimmt auf jeden Fall deutlich zu und das in allen Bundesländern“, sagt Güntert. Allerdings rechnet er schon mit dem Schlimmsten: „Nicht nur steigende Kosten für Infrastruktur, medikamentöse und andere Therapien, sondern vor allem die knappen personellen Ressourcen dürften zu Engpässen im Versorgungssystem führen.“ Allerdings würde das nicht alle Bundesländer gleich betreffen.


Kommentieren


Schlagworte