Kratzfest, nachhaltig und elegant

Vom Kochtopf zum Möbeldesign – der Schritt scheint gewagt, ist aber ein überaus praktischer, der Erfolgschancen hat: Die Rede ist von emaillierten Gebrauchsgegenständen und neuerdings auch Möbeln.

Von Ursula Philadelphy

Innsbruck –Email und Interieurdesign – wie mag das wohl zusammengehen, unter einen Hut zu bringen sein? Ganz einfach. Und praktisch noch dazu.

Das deutsche Label „Supergrau“ hat den Schritt weg von Kochtöpfen, Küchen­utensilien, Badezimmerdetails und Verkleidungen in öffentlichen Bauten gemacht und sich dem Interieurdesign zugewandt. Mit dem Coffee Table „Bol“ von der Wiesbadener Designerin Sarah Böttger stellen sie ein entzückendes fast filigran wirkendes Beistelltischchen vor, das es in sich hat. Die Tischplatte ist keine Platte, sondern besticht durch eine Schalenform, die mittels Magnetclip auf einem dreibeinigen Gestell aus heimischem Eschenholz fixiert ist. Man kann diese Schale aber auch mit einem Handgriff abnehmen, als Tablett oder eben als pure Schale verwenden. Das Ding ist absolut unempfindlich und kratzfest und setzt dank der Emaillierung einen glänzenden Akzent.

In Kombination mit dem Holz ein sehr haptisches Element. Die einfache, geometrische Formensprache und die schönen Proportionen – den Tisch gibt es in zwei Größen und zwei Höhen – paaren sich auf sehr elegante Art und Weise mit einer subtilen Farbwahl. Weiß, Grau, zartes Rosa, Petrol und Altrosa ist die Palette. Einem Gerücht zufolge kam man auf Altrosa, als man, auf der Suche nach dem exakten Ton, einen uralten Behälter mit Badezimmerfarbe aus den 1970er-Jahren fand; davon ließ man sich inspirieren, und voilà: Eine Farbvariation ist gedämpftes Altrosa.

„Supergrau“ residiert in Solingen und steht nach eigener Definition für „contemporary lovepieces“ – ein Ziel, das sie mit ihrem entschiedenen Glauben an Nachhaltigkeit, „die aus der bewussten Entscheidung für oder gegen Konsum entsteht“, erreichen wollen. Die graue Industriekultur rundum scheint zu inspirieren, denn es entstanden, seit der Gründung des Labels 2010, bereits eine Reihe von „Charaktermöbel für individuelles Wohnen“, und immer setzte man auf heimische Zulieferer und hochwertige heimische Materialien.

Email ist in unseren Breiten ja bekanntermaßen eine uralte Tradition. Erst vergangenes Jahr hat Sarah Wiener, zusammen mit Riess Email, ein ganzes Equipment für die Küche entwickelt. Durch die Farbgebung und Farbkombinationen mutet die Serie traditioneller Backformen fast witzig an und macht Lust aufs Verwenden. Die Palette reicht vom Rehrücken bis zum Gugelhupf und von der Muffinform bis zum Tortenboden – alles in Obers, Schokolade, Pfirsich, Pistazie, Zwetschke und Vanille. Die Farben und Farbkombinationen bestechen ebenso wie die kratzfeste Qualität des Geschirrs.

Ebenfalls für Riess hat auch das Wiener Designerinnenduo Sofia Podreka und Katrin Radanitsch unter dem Namen „dottings“ eine Serie von Aromapots entwickelt. Eine formschöne, geradlinige Serie von stapelbaren Töpfen mit variabel nutzbaren Deckeln, die noch durch Vorratsdosen mit Eschenholzdeckeln erweitert wurde.

Die englische Emaille-Manufaktur Falcon ist da etwas traditioneller, setzt auf Weiß mit blauem Rand oder innen Weiß und außen Rot. Dafür gibt es neben einem Schüsselset samt Sieb auch ein Pie-Set und ein Bake-Set. Das Dekor von 1920 wurde zwar beibehalten, man verbesserte aber das Material, machte es stabiler und leichter zugleich. Alles in allem very british und praktisch.

Email scheint also ein aktueller modischer Trend zu sein – was wohl auch der Nachhaltigkeit des Materials geschuldet ist. Es ist leicht zu reinigen, kratz- und abriebfest, resistent gegen Chemie und Fruchtsäuren, ideal für Nickelallergiker und in der Küche für alle Herdarten gleichermaßen zu verwenden.

Email wurde bereits in mykenischen Gräbern auf Zypern gefunden, ebenso im alten Ägypten, wo man es für Schmuck verwendete. Bei den Kelten setzte man Email unter anderem ein, um bei Gebrauchsgegenständen Fugen auszufüllen.


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