Haiders Tochter verpatzt dem BZÖ den Neustart

Eigentlich hätte Politneuling Ulrike Haider-Quercia dem BZÖ den schwierigen Sprung ins EU-Parlament ermöglichen sollen. Stattdessen verpatzt die Tochter von Parteigründer Jörg Haider den Orangen mit ihrem plötzlichen Rückzug den versuchten Neuanfang.

Wien – Es war eine kleine Sensation, als der neue Obmann Gerald Grosz wenige Monate nach der Neuaufstellung seiner Partei Ulrike Haider-Quercia – Tochter des verstorbenen Parteigründers Jörg Haider – als Spitzenkandidatin des BZÖ bei der Wahl zum Europaparlament präsentieren konnte. Umso überraschender, dass nun ausgerechnet ihr Rückzug Grosz den versuchten Neustart der Orangen verpatzt.

Buchers „Meisterstück“ ging gründlich daneben

In Turbulenzen befand sich die 2005 von Jörg Haider nach einer Abspaltung von der FPÖ gegründete Partei des öfteren. So auch vor der Nationalratswahl 2013, bei der Parteiobmann Josef Bucher eigentlich sein „Meisterstück“ vollbringen wollte. Zunächst gingen Bucher durch die Gründung des Team Stronach mehrere Abgeordnete verlustig. Hinzu kam dann interne Kritik an Buchers liberaler Ausrichtung und seinem Wahlkampf durch den damals noch einzigen orangen Europaabgeordneten Ewald Stadler sowie den stellvertretenden Klubchef Stefan Petzner.

Der Plan, am 29. September 2013 den Wiedereinzug in den Nationalrat zu schaffen, ging schief, das BZÖ musste seine Sitze im Parlament räumen. Stadler und Petzner sahen sich in ihrer Kritik am Parteiobmann bestätigt, habe dieser doch ihre Warnungen in den Wind geschlagen. Die beiden hielten sich dann, wenige Tage nach der verlorenen Wahl, nicht mehr zurück, und das Ganze gipfelte in Buchers Rücktritt. Der steirische Landesobmann Gerald Grosz, der in diesen turbulenten Tagen zunächst noch kalmierend aufgetreten war, übernahm rasch das Ruder und wurde bereits im Oktober zum neuen Bundesobmann gekürt. Grosz betonte schon damals, das BZÖ wieder in den EU-Wahlkampf schicken zu wollen.

Drohte das BZÖ nach dem verpassten Wiedereinzug in den Nationalrat in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, verschaffte die Bekanntgabe Ulrike Haider-Quercias Ende Februar als Spitzenkandidatin zumindest gehörige Aufmerksamkeit. Mit Jörg Haiders Tochter sollte das schwierige Kunststück gelingen, in das EU-Parlament einzuziehen.

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Zwei Landtagsabgeordnete sind alles was bleibt

Der Abstieg der jungen Partei begann nach Jörg Haiders Unfalltod. Ausgerechnet seine Tochter zerstörte mit ihrem Rückzug als Spitzenkandidatin jetzt die orangen Träume, scheint der Einzug in das Europaparlament nun noch unwahrscheinlicher. Der einstigen Regierungspartei bleiben lediglich die zwei Landtagsabgeordneten in Kärnten.

Der Europamandatar Ewald Stadler geht unterdessen mit einer eigenen Liste, den Reformkonservativen, ins Rennen. Auch ihm werden allerdings nur geringe Chancen auf einen Wiedereinzug attestiert. (APA, tt.com)


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