„24h Jerusalem“: Die Heilige Stadt in Echtzeit

Geschichten aus der Stadt, in der drei Weltreligionen auf engstem Raum aufeinandertreffen: 24 Stunden Jerusalem bringen Arte und BR Fernsehen nonstop auf den Bildschirm. Sie versprechen ein Jerusalem, wie es der Tourist nie sehen wird.

Hamburg – Für dieses Mammutprojekt haben Arte und das Bayerische Fernsehen ihr Programm komplett geändert: Punkt sechs Uhr morgens startet an diesem Samstag, 12. April, auf beiden Sendern „24h Jerusalem“ – eine aufwendige Produktion, die einen Tag und eine Nacht lang Jerusalem in Echtzeit zeigen will. 70 Drehteams begleiteten dafür rund 90 Protagonisten. Ihre Beiträge stellen Menschen, Straßen und das Leben vor. Die Filmemacher, darunter Prominente wie Maria Schrader und Dani Levy, erzählen persönliche Geschichten und Schicksale. Sie trafen Menschen in kleinen Wohnungen und großen Villen, in Tempeln, Moscheen und Kirchen. 24 Stunden lang Jerusalem nonstop.

„Ein Format, das sämtliche Formate sprengt“

„Ein Format, das sämtliche Formate sprengt“, betonte Arte-Programmdirektor Alain Le Diberder bei einer Vorstellung des Projekts in Hamburg. Er hofft, dass das so gezeigte Bild Jerusalems und seiner Bewohner bei den Zuschauern zu einem besseren Verständnis dieser Stadt beiträgt. Hubert von Spreti vom Bayerischen Rundfunk ergänzte: „Wir erleben Jerusalem, wie es der Tourist nie sehen wird.“ Je ein Drittel der Drehteams war palästinensisch, israelisch und europäisch. Sie tauchten mit Juden, Moslems und Christen in den Alltag der geteilten Stadt ein.

Rund 500 Menschen seien vor und hinter den Kameras aktiv gewesen und hätten mehr als 500 Stunden Filmmaterial geliefert, erzählten die Macher und berichteten von zahlreichen Hürden. „Ein extrem kompliziertes und schwieriges Projekt“, betonte Produzent Thomas Kufus (Zero One 24). So scheiterte der erste Anlauf im Sommer 2012 nach einem Boykott der palästinensischen Seite. Es folgten viele Verhandlungen, eine inhaltliche und organisatorische Trennung zwischen Israelis und Palästinensern sowie eine neue und paritätische Verteilung, europäische Filmemacher kamen hinzu.

Gedreht wurde schließlich im April 2013. Die palästinensischen Teams waren mit palästinensischen Protagonisten unterwegs, die israelischen entsprechend mit Israelis und die europäischen Filmer mit Einwohnern Jerusalems aller Kulturkreise. „Um weiteres Konfliktpotenzial zu vermeiden, war die Recherche und Produktionsvorbereitung vor Ort ebenfalls in drei „Lager“ aufgeteilt“, heißt es im Presseheft.

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„Permanente Parallelmontage in Echtzeit“

Entstanden sei eine „permanente Parallelmontage in Echtzeit“, die sich mal dem einen und mal dem anderen Protagonisten widme. Die Erzählung folgt dem Tagesverlauf. „Alle 30 Minuten wird eine kurze Pause in der Erzählung gemacht, um den Stand der Dinge zu reflektieren - wie spät es gerade ist, wie hoch die Durchschnittstemperatur ist, außerdem wird mit animierten Landkarten der Hintergrund der Geschichten verdeutlicht.“

Als Vorbild diente das Format der 2009 ausgestrahlten Sendung „24h Berlin“. „In Berlin trifft man so wenig Gläubige wie in Jerusalem Ungläubige“, meint der Regisseur beider Projekte, Volker Heise. „Bei 24h Berlin sind wir von einer eher soziologischen Definition von Stadt ausgegangen. Eine Stadt bedeutet größtmögliche Unterschiede auf minimalem Raum“, sagt Heise. „Was aber bedeutet es, wenn die Unterschiede so groß sind, dass sich viele Einwohner einer Stadt nicht auf die elementarsten Grundlagen einigen können[...]?“

Nicht nur auf den beiden TV-Sendern gibt es 24 Stunden lang Jerusalem. Auf Computern, Tablets und Smartphones können parallel weitere Informationen über das Internet abgerufen werden. Auf www.24hjerusalem.tv erscheinen Infografiken, Illustrationen, Karten. Der Nutzer erfährt etwas über religiöse Begriffe und historische Zusammenhänge, über Orte und Protagonisten. Außerdem sollen während der Ausstrahlung 6-Sekunden-Videos und kurze Texte getwittert werden - live aus Jerusalem 24 Stunden lang. (dpa)


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