Rock-Bulldozer mit Tiefgang: Midriff im TT-Wunschkonzert

Volle Power lautete die Devise für Midriff beim TT-Wunschkonzert. Aber die drei Durchstarter aus Langkampfen wissen auch mit ihrer sanften Seite zu überzeugen.

Text: Simon Hackspiel, Video: Silvana Resch

Schwoich – Midriff aus Langkampfen haben ein Ziel vor Augen – und genau so hört sich auch ihre Musik an. Präsent, auf den Punkt. Grundsolider Rock, der unweigerlich zum Headbangen verleitet. Beim TT-Wunschkonzert in ihrem Proberaum in der Schwoich im Tiroler Unterland präsentierten sie den Song „Broken Dreams“ des gleichnamigen Debütalbums.

Angetrieben von Paul Henzinger, der das Schlagzeug mit Hochdruck bearbeitet und gleichzeitig seine Powerstimme erhebt, lässt Midriff schnell erkennen, warum die Band bei Veranstaltern in Mitteleuropa immer gefragter wird. Flankiert wird Paul von den Brüdern Jeremy und Joshua Lentner - der eine zieht seine tiefe Basslinie durch, der andere liefert krachende Gitarrenriffs und schüttelt sich dann noch ein feines Solo aus dem Ärmel. Der Refrain von „Broken Dreams“ „bulldozert“ sich geradezu seinen Weg ins Gedächtnis.

Dass Midriff aber nicht nur Meister der harten Töne sind, zeigen tiefgängige Balladen wie „Grassmans Cottage“ und Unplugged-Versionen von Songs, die sie auf der 2012 erschienen EP „Blackout“ sammelten. „Im Rock- und Metalgenre will jeder tougher und fieser rüberkommen, als er wirklich ist“, sagt Jeremy im Interview nach dem Videodreh. „Wir sehen das etwas lockerer, bei uns kann bei einem Unplugged-Gig auch mal herzhaft gelacht werden.“

Infobox

2010 formierten sich Paul Henzinger (Schlagzeug/Gesang) und die Brüder Joshua (Gitarre) und Jeremy Lentner (Bass) zur Band Midriff. Noch im selben Jahr veröffentlichten sie die EP „Grassman‘s Cottage“, 2012 dann ihr Debütalbum „Broken Dreams“ und die Unplugged-EP „Blackout“. Die Band spielte 2012 und 2013 jeweils rund 50 Auftritte, vorwiegend im deutschsprachigen Raum, aber auch in Italien oder Großbritannien.

In Sachen Studioarbeit, Vermarktung und Booking ist allerdings große Ernsthaftigkeit gefragt, ein professioneller Auftritt ist Midriff wichtig. So hat jeder seinen Aufgabenbereich. Jeremy ist der Manager, Joshua der Webmaster und Paul der Produzent. „Für unser Do-it-Yourself-Konzept müssen wir alle am selben Strang ziehen und hart arbeiten, aber so funktioniert´s“, sind die Bandmitglieder überzeugt.

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Ihren Lebensunterhalt finanzieren können sich die drei Studenten damit noch nicht, aber mit mehr als 50 Gigs pro Jahr in ganz Mitteleuropa sind sie auf einem guten Weg. Am Donnerstag den 10. April startete ihre Tour mit der Unterländer Metalband Serenity im Weekender Club in Innsbruck. Es folgen Auftritte in Deutschland, Holland und Ungarn. Danach stehen Club- und Festivalshows an, bevor Ende 2014 das neue Album veröffentlicht werden soll.

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Fünf Fragen an Midriff:

Welches Feeling wollt ihr mit eurer Musik vermitteln?

Midriff: Wir wollen nicht die Welt verbessern. Die Leute sollen, wenn sie uns hören oder beim Konzert sehen, einfach eine gute Zeit haben. Sie sollen den selben Spaß an der Musik haben, den wir verspüren wenn wir diese schreiben, aufnehmen oder live darbieten. Unsere Texte sind oft melancholisch, aber auch humorvolles ist dabei. Auf keinen Fall wollen wir politisieren.

Hat der Bandname eine Bedeutung oder klingt er einfach nur gut?

Midriff: Midriff bezeichnet das Zwerchfell bzw. die Beckengegend, wir sind beim Durchblättern eines Wörterbuchs auf den Namen gekommen. Googelt man unsere Band, kommen verdammt viele Bilder weiblicher Taillen daher, was ja irgendwie auch zum Rocker-Image passt.

Was waren eure einprägsamsten Auftritte bisher?

Midriff: Es ist immer schwer zu sagen, welcher der beste Auftritt war - es waren einfach zu viele. Es ist aber immer ein besonderes Erlebnis, wenn man als Support für eine Band spielt, die man ein Jahr zuvor noch als Fan im verschwitzten Club gesehen hat. So war es auf der Tour mit Godsized vergangenes Jahr. Natürlich war auch die Red Bull Brandwagen Tour 2013 eine sehr coole Sache, diese mobile Bühne war schon der Hammer. Natürlich haben wir auch in Tirol Auftritte, aber unsere Gigs verteilen sich auf ganz Mitteleuropa.

Wenn ihr euch eine Band aussuchen könntet mit der ihr auf Tour gehen dürftet, welche wäre es?

Midriff: Alter Bridge, Black Stone Cherry, Audioslave - ach schade, die gibt es ja nicht mehr. Das sind mit Sicherheit Bands die uns beeinflussen und mit denen eine gemeinsame Tour ein Ritterschlag wäre. Stark geprägt haben uns natürlich auch die Urväter des Rock, wie Led Zeppelin, Deep Purple oder Black Sabbath. Wichtige Einflüsse sind auch Pink Floyd, Metallica und Pantera.

Was darf vom neuen Album erwartet werden?

Midriff: Das neue Album wird mit Sicherheit etwas düsterer, härter und vom Songwriting her ausgereifter als „Broken Dreams“ - man merkt einfach, dass wir musikalisch erwachsener geworden sind. Wir haben das Rad nicht neu erfunden, es klingt immer noch nach Midriff. Aber es sind sicher einige neue und alte Einfllüsse dazugekommen und so wird man auch die eine oder andere Überraschung auf der Platte hören können.


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