Russland trotz Ukraine weiter Erdgas-Partner für Österreich

Russland steuert einen beträchtlichen Teil zur Gasversorgung Österreichs bei. Durch die Ukraine-Ereignisse „nehmen wir die Energiesituation sehr ernst“, sagte IEA-Direktorin, Maria van der Hoeven.

Wien - Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sieht Russland - ungeachtet der aktuellen Ukraine-Vorkommnisse - weiter als Partner für Österreich im Erdgasbereich. Dies bekräftigte der Ressortchef am Mittwoch bei der Präsentation des neuen IEA-Österreich-Berichts. Dazu verwies er auf die „historisch bedingten“ langfristigen Gaslieferverträge, auch wenn diese neben Vorteilen auch Nachteile hätten.

Russland steuert einen beträchtlichen Teil zur Gasversorgung Österreichs bei - physikalisch betrachtet etwa 80 Prozent bzw. vertraglich gesehen zirka 60 Prozent, wie IEA-Direktorin Maria van der Hoeven in Wien sagte. Durch die Ukraine-Ereignisse „nehmen wir die Energiesituation sehr ernst“, fügte sie hinzu.

Mitterlehner: Haben aus Gaskrise 2009 gelernt

Ohne Gazprom namentlich zu nennen, verwies Mitterlehner darauf, dass die russische Industrie von den Erlösen aus dem Erdgasverkauf abhängig sei. Und er erinnerte daran, dass die in Österreich vorhandene Erdgas-Speicherkapazität bereits auf 7 Mrd. m3 ausgebaut ist. Die effektiv vorhandene Menge hängt freilich vom jeweiligen Füllstand der Speicher ab. Aktuell betrage die Reserve 43,4 Prozent, so der Minister. 2012 hätten die Speicher rein rechnerisch 80 Prozent der Inlandsnachfrage gedeckt, sagte van der Hoeven dazu.

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Österreich habe aus der Gaskrise 2009 gelernt, betonte Mitterlehner, auch in Bezug auf die seither noch erweiterte Möglichkeit von Umkehrflüssen der Gasleitungen mit den Nachbarländern. Das sei gut für Österreich und die Region, lobte die IEA-Direktorin. So sind etwa nun auch Gasbelieferungen aus dem Westen, Deutschland, möglich.

Die gute heimische Erdölversorgungssicherheit sollte durch eine zweite Erdölleitung verbessert werden, regte van der Hoeven bei der Vorlage des neuen IEA-Energie-Länderberichts zu Österreich an, der letzte Report stammte von 2008. Mitterlehner erinnerte daran, dass die zweite im Gespräch stehende Ölleitung - zwischen der OMV-Raffinerie Wien-Schwechat und Bratislava - auf slowakischer Seite „hängt“. Mit einem Lückenschluss zwischen der noch aus Sowjet-Zeiten stammenden, bei Bratislava endenden „Drushba“-Pipeline („Freundschaft“) und der Adria-Wien-Leitung gäbe es mehr Versorgungssicherheit, ist sich der Minister mit der IEA einig.

IEA sieht Schiefergas-Potential in Österreich

Die IEA betont in ihrem neuen Länderbericht zu Österreich das heimische Schiefergas-Potenzial, Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner bremst diesbezüglich aber. Es gebe derzeit keine Projekte und keine Anträge dafür, auch die OMV habe keine derartigen Pläne, meinte der Minister am Mittwoch vor Journalisten.

„Ich weiß, Österreich ist zögerlich“ beim Thema Schiefergas, sagte IEA-Direktorin Maria van der Hoeven bei der Präsentation des Reports in Wien: „Wir ermutigen die Regierung aber, ihre Position zu überdenken.“ Unter anderem zögere Österreich, weil die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für solche Vorhaben drei bis vier Jahre dauere.

Mitterlehner dagegen verwies primär auf die „breit abgesicherte“ ablehnende „Befindlichkeit der Bevölkerung“ zu solchen Plänen. Jedoch prüfe man etwa an der Montan-Uni Leoben andere Fracking-Verfahren, bei denen statt chemischer Mittel zum Beispiel Biomais eingesetzt werden könnte; das müsse der dort führende Professor Herbert Hofstätter ja nicht unbedingt in Österreich ausprobieren, das sei auch in Polen möglich. Nicht vergessen werden dürfe ein wesentlicher Unterschied zwischen Nordamerika, wo Shale-Gas einen wahren Hype erlebt(e), und Europa: In den USA lägen die Vorkommen 200 Meter in der Tiefe, bei uns 6000 oder 5000 m. (APA)


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