Molkereien: Hohe Nachfrage aus China verteuerte Milchpreis

Die österreichischen Molkereien steigerten 2013 ihre Umsätze im Vergleich zum Jahr davor um 5,9 Prozent auf 2,33 Mrd. Euro.

Wien - Die hohe Nachfrage auf den internationalen Märkten - unter anderem aus China - hat im vergangenen Jahr den Milchpreis nach oben getrieben. Die österreichischen Molkereien steigerten 2013 ihre Umsätze im Vergleich zum Jahr davor um 5,9 Prozent auf 2,33 Mrd. Euro, die Milchanlieferung sank hingegen um 1 Prozent auf 2,93 Mio. Tonnen. Rund 1000 Milchbauern sperrten 2013 endgültig die Stalltüre zu.

Die Molkereien haben nur „äußerst knappe Gewinne“ eingefahren, sagte Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), am Mittwoch vor Journalisten in Wien. Die geringen Gewinne würden einerseits am „hohen Wettbewerb“ am heimischen Milchmarkt und andererseits an der Weitergabe der höheren Erlöse an die Bauern liegen, so Petschar. Die Exporte von heimischen Milchprodukten schnellten im Jahr 2013 um 8,1 Prozent auf 1,126 Mrd. Euro hinauf, die Importe stiegen um 7,6 Prozent auf 633 Mio. Euro.

Liberalisierung des Milchmarktes

Die heimischen Molkereien haben die Auszahlungspreise für Bauern im Jahresschnitt 2013 für konventionelle Milch mit 3,7 Prozent Fettgehalt (exkl. Steuer) von 32,49 auf 35,13 Cent/kg angehoben. Im Februar 2014 lag der bezahlte Milchpreis bereits bei 39,6 Cent. Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld pro Bauer stieg 2013 um 13 Prozent auf 37.054 Euro. Die Milchanlieferung erhöhte sich im Schnitt um 2 Prozent auf 88,1 Tonnen pro Jahr und Milchbauer. Wegen Überlieferung der zugeteilten Milchquote 2013/14 müssen die heimischen Milchbauern laut Prognose voraussichtlich eine Strafzahlung von 26 Mio. Euro nach Brüssel überweisen. 2012/13 lag die Zusatzabgabe noch bei 28,7 Mio. Euro und 2011/12 bei 33,6 Mio. Euro.

Mit Ende März 2015 wird die Milch-Quotenregelung der EU aber Geschichte sein. Mit der Liberalisierung des europäischen Milchmarktes dürfen die Bauern dann so viel Milch produzieren wie sie wollen. Petschar rechnet mit einem Anstieg der Milchproduktion in Österreich von bis zu 20 Prozent auf 3,5 Mio. Tonnen pro Jahr bis 2025. Mehr sei aufgrund der Flächenbegrenzung - Stichwort Bergbauern - nicht möglich. „Die Fläche ist die neue Quote.“ Petschar als Chef der Kärntnermilch mit Sitz in Spittal versicherte seinen Bauern die Mehrproduktion zu gleichen Preisen abzunehmen. Die zusätzlichen Menge will er im Export - vor allem in Deutschland und Italien - absetzen.

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„Nationaler Milchdialog“

Der kürzlich von Bauernbund-Chef Jakob Auer vorgeschlagene „nationale Milchdialog“ zwischen Bauern, Molkereien und Handel um eine Exportinitiative zu starten, wurde von Petschar nur vorsichtig begrüßt. Zuerst müsste die Bundeswettbewerbsbehörde „die wettbewerbsrechtlichen Rahmenbedingungen“ klar abstecken, „was erlaubt und was nicht erlaubt ist“. Einige Molkereien, darunter die größte heimische Molkerei Berglandmilch, wurden von den Wettbewerbshütern unter die Lupe genommen. Berglandmilch (Schärdinger, Tirol Milch) musste wegen vertikalen Preisabsprachen eine Strafe von rund 1,1 Mio. Euro zahlen. Der VÖM-Präsident drängt die BWB den bereits erstellten Wettbewerbsleitfaden für die Lebensmittelbranche öffentlich zu machen. Auch Kärntnermilch hatte wegen Preisabsprachen 375.000 Euro Strafe zahlen müssen.

Der Umsatz von Berglandmilch erhöhte sich 2013 um 5,3 Prozent auf 900 Mio. Euro, die Erlöse der niederösterreichischen NÖM stiegen um 7,3 Prozent auf 339 Mio. Euro und bei der Gmundner Milch gab es mit 201 Mio. Euro ein Plus von 8,7 Prozent. Die Alpenmilch fusionierte im vergangenen Jahr mit dem Käsehof und meldete als SalzburgMilch für 2013 einen Umsatz von 172 Mio. Euro. Die Salzburger Käserei Gebrüder Woerle erzielte ein leichte Umsatzplus von 1,6 Prozent auf 128 Mio. Euro.

Der Strukturwandel setzte sich auch im vergangen Jahr fort: Die Zahl der heimischen Milchbauern ging um 3 Prozent auf 33.200 zurück. Die durchschnittliche Anzahl der Milchkühe pro Betrieb lag bei 16 Kühen. (APA)


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