Nach vier Jahren Auszeit: Athen wagt Comeback am Kapitalmarkt

Die Versteigerung einer Staatsanleihe mit fünfjähriger Laufzeit soll 2,5 Mrd. Euro in die Kasse des hoch verschuldeten Staates spülen.

Symbolbild.
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Athen/London - Griechenland wird Insidern zufolge am Donnerstag erstmals seit mehr als vier Jahren wieder den Kapitalmarkt anzapfen. „Wir streben Einnahmen von bis zu 2,5 Milliarden Euro an“, sagte ein ranghoher Regierungsmitarbeiter am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Das Geld solle durch die Versteigerung einer fünfjährigen Staatsanleihe in die Kassen fließen.

Rendite unter fünf Prozent angestrebt

Das Interesse der Anleger an dem Papier sei sehr groß. Marktteilnehmern zufolge strebt die Regierung in Athen eine Rendite von weniger als fünf Prozent an. Der Marktzins für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit liegt derzeit bei sechs Prozent. Vor zwei Jahren - als private Anleger bei einem Schuldenschnitt 130 Mrd. Euro verloren - waren es rund 40 Prozent. „Noch vor einem Jahr war es undenkbar, dass Griechenland den Kapitalmarkt anzapft“, sagte Alessandro Giansanti, Zinsstratege bei der Großbank ING. „Jetzt ist es Realität.“

Griechenland hat sich zuletzt im März 2010 an den Markt gewagt - damals ebenfalls mit einer fünfjährigen Anleihe. Um seinen Finanzbedarf zu decken, ist das Land seither auf Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Partner angewiesen. Daher ist derzeit privates Geld vom Kapitalmarkt kein Muss. Athen will aber das Interesse der Anleger testen, bevor es sich wieder vollständig über den Markt refinanziert.

Anleger entdecken Euro-Krisenländer wieder

Griechenland profitiert davon, dass Anleger Geld im großen Stil aus Schwellenländern abziehen. Allein Russland verlor im ersten Quartal mehr als 50 Mrd. Dollar (36,4 Mrd. Euro). Da Anleihen mit erstklassiger Bonität - wie etwa von Deutschland - nur sehr niedrige Zinsen abwerfen, haben Investoren die Euro-Krisenländer wiederentdeckt - zumal diese auch konjunkturell Fortschritte machen. So wuchs die griechische Produktion im Februar mit 1,7 Prozent bereits den dritten Monat in Folge. Einen so langen Aufwärtstrend gab es seit 2007 nicht mehr.

Vom unmittelbar bevorstehenden Comeback Griechenlands profitierten auch italienische und spanische Anleihen, deren Renditen im zehnjährigen Bereich weiter nachgaben. So rentierten die Staatspapiere aus Rom mit 3,19 Prozent etwas niedriger als am Dienstagabend. Die Rendite des spanischen Pendants lag bei 3,19 nach 3,21 Prozent am Vorabend. Auch die griechischen Papiere waren gesucht, so dass der Zins auf 6,16 von 6,18 Prozent sank. Zum Vergleich: Die deutsche Bundesanleihe liegt bei knapp 1,6 Prozent. (APA/Reuters)


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