„Viehchernarrisch“ und sehr freiheitsliebend

Helmut Pechlaner begeisterte im Zeitzeugengespräch das Publikum mit charmanten und witzigen Anekdoten aus seinem bewegten Leben.

Innsbruck –Helmut Pechlaner. Ein Mann mit vielen Talenten, jeder Menge Charisma, vielen Auszeichnungen und ganz unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern. Was ihm denn am liebsten sei, fragte Elmar Oberhauser den Zeitzeugen am Mittwochabend im Casino Innsbruck. Zoodirektor vielleicht? TV-Moderator? „Das, was ich jetzt mache“, antwortete Pechlaner wie aus der Pistole geschossen. „Zufriedener Pensionist.“

Er habe alles gerne gemacht, sagte er kurz darauf. Aber jetzt genieße er die Freiheit. „Am Morgen zu entscheiden, was ich heute mache, das ist für mich die Definition von Freiheit.“ Und die genießt der gebürtige Innsbrucker seit der Pensionierung 2007 im Südburgenland. „In Innsbruck ist es mir zu eng. Zu laut. Da geht mir der Fluglärm auf den Wecker.“ Dagegen sei die Ruhe auf dem Bauernhof, den er seit 1994 bewohnt, „paradiesisch“. Und natürlich hat er dort Platz. Um mit den Hunden durch die Wälder zu gehen.

„Viehchernarrisch“ sei er schon als Kind im Nachkriegs-Innsbruck gewesen, erklärte Pechlaner im gerammelt vollen Casinosaal. Frühere Weggefährten, Freunde und Fans lauschten andächtig seinen Anekdoten. Etwa als er am Schulweg auf Höhe der Ottoburg eine Taube fangen wollte und dafür von einer älteren Dame eine Ohrfeige bekam. Oder wie er als Bundesheersoldat wieder mit Tauben zu tun hatte und diese schlussendlich sogar den deutschen Luftraum eroberten.

Doch nicht nur Geschichten von früher ließ sich der Ex-Chef des Alpenzoos und des Tiergartens Schönbrunn entlocken. Er nahm auch zu aktuellen Tierthemen Stellung.

Ob denn ein Zoo heutzutage noch zeitgemäß sei, wollte Oberhauser wissen. Natürlich. „Zootierhaltung ist jene Tierhaltung, die am meisten auf das Tier abgestimmt ist“, sagte Pechlaner. Und der Unterschied zu einem Film ist, so der ehemalige TV-Liebling, das, was im Zoo passiere, „ist wahr“. Da müsse man auch einmal akzeptieren, dass ein Tier nicht da sei.

Pechlaner war ein Macher. So hat er seine berufliche Karriere auch stets angelegt. Mit der Bürokratie in Wien habe er sich nicht lange herumgeschlagen. Er sei schlicht und einfach „drübergefahren“. Nicht lange fragen. Einfach machen. Und gleichzeitig den Mitarbeitern die Wertschätzung, die sie brauchen, entgegenbringen. So hatte er einst aus dem Tiergarten Schönbrunn eine Erfolgsgeschichte gemacht. Wie er damals den Posten annahm, scheint typisch für den 67-Jährigen. Er wollte eigentlich nicht. Partout nicht. Und stellte etliche Forderungen auf, die der damalige Wissenschaftsminister Wolfgang Schüssel überraschenderweise umsetzte. „Dann hab ich nicht mehr Nein sagen können.“

Es war ein launiger Abend, an dessen Ende sich zahlreiche Besucher im Casino noch persönlich bei Helmut Pechlaner bedankten. (mw)


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