Prag verweigert Garantiepreis für Strom aus Temelin-Reaktoren

Die Ausschreibung für das Großprojekt an der Grenze zu Österreich steht damit auf der Kippe.

Prag - Die tschechische Regierung hat am Mittwoch definitiv einen garantierten Abnahmepreis für Strom aus zwei geplanten Atomreaktoren in Temelin verweigert - und damit ein großes Fragezeichen hinter die Ausschreibung für das Großprojekt an der Grenze zu Österreich gesetzt.

Angesichts des unvorhersehbaren Stromweltmarktes würde ein Garantiepreis „ein maximales Risiko für den Staatshaushalt und die Steuerzahler“ bedeuten, begründete Ministerpräsident Bohuslav Sobotka nach der Kabinettsitzung die Ablehnung, die sich bereits abgezeichnet hatte.

Der staatlich kontrollierte Energiekonzern CEZ hat den Reaktorneubau schon vor Jahren ausgeschrieben, die Vergabe des bis zu zwölf Milliarden Euro schweren Auftrags wurde zuletzt im Juli um „mindestens“ ein weiteres Jahr verschoben. Am Montag hatte der CEZ-Chef Daniel Benes eingeräumt, die Ausschreibung könne gestoppt werden, wenn der Staat die Rentabilität der neuen Reaktoren nicht garantieren werde.

Nach dem Ausstieg des französischen Areva-Konzerns sind noch ein US-Interessent, ein russisches Konsortium und eine tschechisch-russische Gruppe im Rennen. Die Reaktoren sollen 2025 ans Netz gehen. Bisher stehen in Temelin zwei Reaktoren. In Temelin und im Atomkraftwerk Dukovany im Südosten werden ein Drittel des tschechischen Stroms produziert. Temelin liegt nur 60 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Österreich, das der Atomenergie 1978 abschwor, sieht in der Anlage ein Sicherheitsrisiko. (APA/AFP)


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