Polizeidienststellen: Polizeiboot ohne Besatzung in Mörbisch

Der Posten wird geschlossen: Ein Einsatz verzögert sich künftig um rund zehn Minuten. Mikl-Leitner: „Für die Arbeit und für die Sicherheit ändert sich nichts.“

Eisenstadt – Mörbisch (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) verliert mit 1. Juli seine Polizeidienststelle. Obwohl die Beamten als „Retter vom Neusiedler See“ vergangene Woche mit dem Landessicherheitspreis ausgezeichnet wurden, sind die Tage der Inspektion gezählt. Der Seedienst bleibt zwar und damit auch das Polizeiboot, die Beamten müssen jedoch künftig mit dem Pkw zum Boot fahren, so Kontrollinspektor Josef Malits.

42 Personen sind im vergangenen Jahr aus dem Neusiedler See gerettet worden. „Davon haben 38 Personen wir gehabt“, schilderte Malits im Gespräch mit der APA. Bei acht dieser geretteten Personen ging es „doch schon in Richtung Lebensgefahr“, die Zeit spiele am See also eine große Rolle. Mit der Schließung der Dienststelle verlängert sich in Zukunft - zumindest nach aktuellem Stand - die Anfahrtszeit. Denn da das Boot weiterhin in Mörbisch bleibt, ein Teil der Motorboot-erfahrenen Polizisten jedoch vermutlich in die benachbarte Stadt Rust wechselt, müssen die Beamten eine etwa zehn Kilometer lange Autofahrt in Kauf nehmen, ehe sie das Boot starten können.

„Wenn wir in Mörbisch unterwegs waren, hatten wir Ausfahrtszeiten zwischen drei und vier Minuten, jetzt muss man die Zufahrt von Rust (etwa zehn Minuten, Anm.) dazurechnen. „Es wird zu 99 Prozent von Rust weg auch funktionieren, nur die Schlagkraft hat da eine Einbuße“, so der Kontrollinspektor, der seit 1999 seinen Dienst in der Seefestspielgemeinde verrichtet.

Zwar sei Rust einerseits sogar der bessere Stützpunkt für das Boot, weil „Rust zentraler liegt und man da nach Norden und Süden wegfahren könnte“, die große Problematik sei allerdings die nicht vorhandene Infrastruktur in der Storchenstadt. „Bei uns ist der Auftrag da, wenn das Boot zurückkommt, egal ob das Streife oder Einsatz war, muss es für die nächste Ausfahrt tipp-topp hergerichtet sein. Es muss Öl nachgeschaut werden, gereinigt und auch getankt werden. Weil wenn es einen Notfall gibt, darfst du nicht mehr lange nachdenken.“

Diese Wartung - etwa das Trocknen und Hochheben, damit sich weder Algen noch Muscheln anlegen können - sei in Rust so nicht möglich. Für den heurigen Sommer könnte man sich laut Malits anschauen, ob man das Boot in Rust „irgendwo liegen lassen könnte“, das müsse man noch abklären.

Eine fixe Verlegung des Polizeibootes nach Rust würde für den Kontrollinspektor „Sinn machen.“ Diese Entscheidung obliege allerdings dem Innenministerium. Ressortchefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) meinte dazu auf APA-Anfrage: „Die Polizistinnen und Polizisten bleiben ja im Dienst, außer dass sie eben jemand anderem zugeordnet sind.“ Die Arbeit bleibe die gleiche, es sei nur eben der Nachbarort verantwortlich. „Das heißt: Für die Arbeit, für die Sicherheit ändert sich nichts, außer dass wir es dann geschafft haben, größere Einheiten zu schaffen“, erklärte Mikl-Leitner. Auf die Frage, ob eine Verlegung des Bootes nach Rust eine Option sei, erläuterte sie: „Die Landespolizeidirektion hat das im Detail geprüft. Das ist für diese Region die beste Lösung und die beste Basis, um weiterhin Sicherheit garantieren zu können.“ (APA)


Kommentieren


Schlagworte