Rennen um Talstation in Obertilliach ist entschieden

Nach Plänen von Architekt Peter Schneider wird ein Bau realisiert, der behutsam Bezüge zum ortsbildgeschützten Bestand des Dorfes aufnimmt.

Von Claudia Funder

Obertilliach –Die Vorbereitungen für das Großprojekt in Obertilliach laufen auf Hochtouren. Wie berichtet, wird heuer auf dem Hausberg Golzentipp eine moderne Kabinen-Einseilumlaufbahn errichtet. In weiterer Folge sollen eine Höhenloipe und eine Rodelbahn entstehen.

Das 6,5-Mio.-Projekt ist auf Spur, der Auftrag für die Gondelbahn wurde bereits im März an die Firma Leitner AG erteilt. Mit Spannung erwartet wurde noch der Zuschlag an einen der beiden Architekten, die für den Bau der Tal- und Bergstation im Rennen waren: der Lienzer Peter Paul Rohracher und der gebürtige Osttiroler Peter Schneider.

Nun sind die Würfel gefallen. „Im Denkmalamt wurden am Mittwoch aus den beiden Vorschlägen die Pläne von Peter Schneider ausgewählt“, erklärt Seilbahnchef Sepp Lugger auf Nachfrage der TT und betont: „Beide Vorschläge sind sehr gut, beide Architekten haben die Intention und Wichtigkeit der Fassadenarchitektur erkannt.“

Das optische Erscheinungsbild der geplanten Talstation spielt gerade in Obertilliach eine zentrale Rolle, handelt es sich doch um „das einzige Dorf Tirols, das seinen archaisch-rätoromanischen Stil bis heute in so hohem Ausmaß erhalten hat“, weiß Lugger. „Das Dorf steht unter Ortsbildschutz, viele Einzelhäuser sind denkmalgeschützt.“ Und obwohl der Bauplatz für die Talstation knapp außerhalb der Ortsbildschutzzone – am Rand des historischen Ortskerns – errichtet wird, „tanzt die Liftgesellschaft freiwillig nicht aus diesem Stil“, wie es Lugger bezeichnet. Dieser bewusst gesetzte Schritt ist ein klares Bekenntnis zum Erhalt der Besonderheit des Ortes.

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Peter Schneider stammt aus Hopfgarten im Defereggental. Bauten in mehreren Gemeinden Osttirols tragen seine markante Handschrift. Das Architekturbüro Schneider & Lengauer mit Hauptsitz in Oberösterreich lieferte unter anderem auch die Pläne zur Generalsanierung der Obertilliacher Kirche.

Unterhalb dieses Gotteshauses wird die geplante Talstation stimmig in die Landschaft gesetzt. Das Sockelgeschoß wird aus Stahlbeton errichtet, auf dieses wird eine Stahlkonstruktion aufgesetzt, die mit schlanken Lärchenholzriegelbauten verkleidet wird. Es wurde ein geordneter, zurückgenommener Baukörper entwickelt, der in puncto Materialität und Farbigkeit Bezüge zum Bestand des Ortes aufnimmt. „Es handelt sich um eine sachliche, ruhige Architektur“, so der 52-jährige Architekt, der sich über den Zuschlag freut, über das Projekt. Dennoch wird es ein selbstständiges Bauwerk. „Die Differenzierung ist lesbar“, stellt Schneider klar und ergänzt: „Will man lebendige Ortskerne erhalten und den Siedlungsraum qualitätsvoll weiterentwickeln, dann muss man Veränderung zulassen.“

Das Denkmalamt Tirol gab eine positive Stellungnahme ab, das Projekt befindet sich in der Einreichphase. Die Bauverhandlung soll im Mai erfolgen. Lugger: „Wir hoffen, dass es bald ausapert. Es liegt noch sehr viel Schnee.“


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