Sprengelarzt verzweifelt gesucht

Der Strenger Dorfchef griff selbst zum Telefon, um die Totenbeschau zu organisieren. Ab Mai soll die Praxis in Pians wieder besetzt sein.

Von Matthias Reichle

Strengen –Mit so einem Fall war er noch nie befasst – betont Harald Sieß. Kürzlich musste der Strenger Bürgermeister selbst zum Telefon greifen, um nach einem Sterbefall in seiner Gemeinde einen Sprengelarzt für die Totenbeschau zu suchen. Man habe zunächst niemanden erreicht. Der Dorfchef informierte seinen Grinner Kollegen Thomas Lutz, der wandte sich wiederum an Landesrat Bernhard Tilg. „Unangenehm war die Ungewissheit, ob überhaupt jemand kommt“, betont Sieß. „Da sieht man, wie wichtig die ärztliche Versorgung ist, es hat Priorität, dass die Ärztestelle in Pians wieder besetzt wird.“

Grund für die Suche der Dorfchefs war das Tiroler Gemeindesanitätsdienstgesetz. Es darf nicht der Notarzt oder der Hausarzt eine Totenbeschau durchführen, sondern der Sprengelarzt bzw. ein bestellter Beschauarzt. Seit der Pensionierung des Pianner Arztes ist die Praxis dort aber verweist.

Unterstützung bekam der Dorfchef von der Bezirkshauptmannschaft. Schlussendlich sprang ein Sprengelarzt ein. „Wir haben eine wirklich dürre Situation in Landeck“, betont Bezirkshauptmann Markus Maaß. Er hofft auf eine baldige Lösung.

Die große Frage, die sich Maaß stellt, ist, warum nicht einfach alle niedergelassenen Ärzte eine Totenbeschau durchführen können. Unter den Bürgermeistern wurde das diskutiert – auch dem Bezirkshauptmann würde das gefallen. Dies müsse aber auf einer gesetzlichen Ebene gelöst werden, so Maaß.

Für Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger sind die derzeitigen Regelungen aber ausreichend. „Die Totenbeschau ist eine Amtshandlung. Es ist ein wichtiger Akt, um festzustellen, ob ein natürlicher Tod vorliegt. Das ist nicht locker zu handhaben“, betont er auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung.

In Strengen hofft man, länger nicht mehr in eine solche Situation zu kommen. In Pians konnte nämlich inzwischen ein Arzt für die offene Stelle des Sprengels gefunden werden. Mit 2. Mai soll er seinen Dienst aufnehmen.


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