„Ich konnte vor Schmerzen nicht mehr schlafen“

Vor seinem Comeback in Monte Carlo (ab Sonntag) spricht Österreichs bester Tennis-Spieler Jürgen Melzer (32) über den harten Weg zurück, eine neue Ernährung, seine Doppelpläne – und die Lust am Weiterkämpfen.

Wenn am Sonntag das ATP-Masters in Monte Carlo beginnt, sind 186 Tage seit Ihrem letzten Match (9. Oktober/Shanghai) vergangen. Wie groß ist die Motivation, um sich mit 32 Jahren wieder zurückzukämpfen?

Jürgen Melzer: Die Motivation ist riesig! Wenn man so lange nicht spielen kann, etwas nicht macht, das man so stark liebt, vermisst man das sehr. Wenn ich meine Karriere beende, dann werde ich nie wieder einen so angenehmen Beruf haben. Und deshalb werde ich so lange auf diesem Niveau spielen, wie ich kann.

Wie darf man sich Ihr Leben während sechs Monaten Zwangspause vorstellen?

Melzer: Der erste Monat war okay. Das fühlte sich an, als würde ich Pause machen nach der Saison. Doch dann wurde es immer schwieriger, weil wir nicht wussten, was los war mit der linken Schulter. Wir haben dreieinhalb Monate gesucht. Es gab keine Therapie und war zu wenig für eine Operation. Und ich hatte im täglichen Leben Schmerzen und konnte nicht mehr schlafen. Das wird dann wirklich unangenehm.

Konnten Sie nur noch auf der rechten Schulter liegen?

Melzer: Nein, aber als ich ruhig dagelegen bin, hat es zu pochen angefangen. Nach einer halben Stunde war der Schmerz so unerträglich, dass ich die Schulter bewegen musste. Ich habe nur noch im Ein-Stunden-Rhythmus geschlafen. Das schlägt schwer auf das Gemüt. Zum Glück war nach der ersten Behandlung bei Doktor Gumpiller alles weg (Diagnose im Februar: Flüssigkeitsansammlung in der Sehne und ausgebrochener Knochen, Anm.).

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Und wie sieht es derzeit aus? Wie geht es der Schulter?

Melzer: Sie wird mich nicht im Stich lassen, nur muss ich mich jeden Tag darum kümmern. Wenn ich die Therapie mache, dann hält sie durch. Nach der Diagnose wussten wir ja schnell, was zu tun war. Aber wir werden sehen, wie es im Wettkampf aussieht. Die letzten drei Wochen Training verliefen auf jeden Fall ohne Probleme. Ich konnte zu 100 Prozent aufschlagen.

Im Februar waren sechs Stunden Training am Tag zu viel. Jetzt immer noch?

Melzer: Wir (Trainer Markus Hipfl und Physiotherapeut Patrick Hinterseer, Anm.) trainieren fünf Stunden Tennis und eine Stunde Fitness.

In der Weltrangliste sind Sie auf Rang 60 abgerutscht, dank des Verletztenstatus (Protected Ranking) gehen Sie als Nummer 27 ins Turnier. Wie hoch sind die Erwartungen?

Melzer: Ich habe das Tennisspielen ja nicht verlernt, aber mir fehlt der Spielrhythmus. Optimal wäre Spiele zu gewinnen, dann ist man gleich drinnen. Da ist es gut, dass ich älter bin und mich an manche Dinge gut erinnern kann.

Seit Jänner setzen Sie so wie Superstar Novak Djokovic auf glutenfreie Ernährung. Wie geht es Ihnen damit?

Melzer: Wenn ich zuhause bin, dann ziehe ich das zu 100 Prozent durch. Aber unterwegs ist das schwieriger, da muss man irgendwas essen.

Ein weiteres Thema ist ein Absturz aus den Top 100 ...

Melzer: So etwas ist in meinem Alter egal. Ich war zwölf Jahre dort. Und um aus den Top 100 zu fallen, darf ich bis Wimbledon nicht punkten. Das sollte nicht passieren.

Wie sieht der Turnierplan nach Monte Carlo aus?

Melzer: Ich werde in Barcelon­a und München spielen, setze das Protected Ranking bei den Masters in Madrid (4.5.), Rom (11.5.), Montreal (4.8.) und Cincinnati (10.8.) ein. Bei den French Open und Wimbledon brauche ich es nicht.

Apropos French Open: Wird es dort endlich die Mixed-Premiere mit Iveta Melzer als Ehefrau geben?

Melzer: Ja, in Paris werden wir wohl zusammen spielen.

Und wie sehen sonst die Pläne im Doppel aus?

Melzer: In Monte Carlo, Madrid und Rom spiele ich mit Kevin Anderson (RSA), in Barcelona mit Fabio Fognini (ITA) – die French Open spiele ich mit Dominic Thiem (AUT).

Mit Thiem sollen Sie auch beim Davis Cup in Lettland (12.–14.9.) die Front bilden. Werden Sie antreten?

Melzer: Ich bin auf alle Fäll­e dabei. Es stand nie zur Debatt­e, dass ich nicht spiele oder zurücktrete. Ich will noch zwei, drei Jahre spielen.

Und zum Schluss: Werden Sie beim ATP-Turnier Kitzbühel (27.7.–2.8.) spielen?

Melzer: Momentan ist das nicht in meiner Planung.

Das Gespräch führte Roman Stelzl


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