Kostenloses Parken wird zum Streitfall

Der Betriebsratsvorsitzende der Angestellten von Plansee kontert grünen Wünschen zu Parkabgaben für Pendler.

Reutte –Reuttes grüne Gemeinderatsfraktion hat einen Antrag eingebracht, wonach ein größerer Gratisparkplatz im Zentrum Reuttes geschlossen und Berufseinpendlern stattdessen Monatstickets auf bewirtschafteten Parkflächen der Gemeinde verkauft werden sollen (die TT berichtet­e).

„Zur Kasse bitte! Dem Vorschlag der Grünen können wir als Gewerkschaft ganz und gar nicht zustimmen. Das Einführen von ,günstigen Monatstickets‘ für Pendler lehnen wir strikt ab. Wir werten jenes Vorhaben als unfaire Geldbeschaffungsmaßnahme auf dem Rücken der Pendler.“ Das sagt Christoph Scheibe­r, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten und Angestellten-­Betriebsratsvorsitzender bei Plansee/Ceratizit.

Die Pendler der umliegenden Gemeinden bis ins oberst­e Lechtal hätten vielfach im Bezirk Reutte keine annehmbaren öffentlichen Verkehrsmittel und seien daher auf den eigenen Pkw besonders angewiesen. Dies bedeute nicht nur deutlich mehr Anstrengung, jeden Tag zur Arbeit zu pendeln, sondern schmälere auch noch das Monatseinkommen durch den zusätzlichen Aufwand.

Gerade diese vielen Pendle­r leisten in Reutte jeden Tag in den verschiedenen Betrieben hervorragende Arbeitsleistungen, ist Scheiber überzeugt. Die daraus resultierende Kommunalabgabe würden ausschließlich der Standortgemeinde Reutte zufallen. Im Gegenzug könn­e erwartet werden, dass die Marktgemeinde für Pendler eine ordentliche Infrastruktur wie Straßen und Parkplätz­e zur Verfügung stellt und pflegt. „Jetzt zusätzlich Park­gebühren zu verlangen, erinnert mich an Gier und Wucher von Kapitalisten ersten Grades“, wettert Scheiber. Es dürfe nicht sein, dass Arbeitnehmer noch zusätzlich in die Tasche greifen müssen, wenn ihr Dienstgeber keine geeignete Parkmöglichkeit anbieten könne.

„Ob es im Zentrum zu viel­e oder zu wenige Parkflächen gibt, ob Reutte autofreundlich oder autofeindlich ist, mögen wir als Arbeitnehmervertreter nicht beurteilen. Wir lehnen aber jede Maßnahme ab, die zum Erreichen des Ziels ‚Fahrrad­freundlichste Gemeinde Österreichs‘ auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen wird“, schließt Christoph Scheiber. (hm)


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