Therapie für auffällige Kinder

Die Tiroler Gebietskrankenkasse baut die psychotherapeutische Versorgung für Heranwachsende aus. Der Bedarf ist groß.

Von Katharina Zierl

Innsbruck –„Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu. Darauf müssen wir reagieren“, erklärt Werner Salzburger, Obmann der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK). Der Kostenrahmen für die psychotherapeutische Versorgung von Heranwachsenden wurde für das Jahr 2014 um 360.000 auf 660.000 Euro erweitert, für das Jahr 2015 sind 760.000 Euro vorgesehen.

„Wir wollen einen niederschwelligen Zugang ermöglichen. Für Kinder mit eventuellen psychischen Krankheiten werden die ersten Therapiesitzungen im Ausmaß von sieben Stunden kostenlos und antragsfrei ermöglicht“, betont TGKK-Direktor Arno Melitopulos. „Die Gründe für die Zunahme an Verhaltensauffälligkeiten sind vielfältig. Familien bieten beispielsweise nicht immer den Schutz, den Kinder und Jugendliche für eine gesunde Entwicklung brauchen“, sagt Salzburger. „Meist haben die Eltern, die sich an uns wenden, bereits einen langen Leidensweg hinter sich. Wir wollen mit dem verbesserten Angebot erreichen, dass sie früher kommen“, betont Caroline Gorfer, klinische Psychologin der TGKK.

Harald Meller von pro mente tirol erklärt, dass sich der Blickpunkt seit etwa vier Jahren zunehmend auf Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen richtet, „weil sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ändern und genauer hingeschaut wird“. Auch eine Hotline soll dabei helfen, die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen, zu senken. „Diese Hotline gibt es schon sei 2011, jetzt wurde sie für Heranwachsende ausgeweitet“, erklärt Psychotherapeutin Veronika Schneider, die aus ihrer Erfahrung weiß, wie sensibel die Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern ist. „Es ist wirklich eine große Herausforderung, einigen den Weg zurück in einen normalen Alltag aufzuzeigen. Viele haben bereits Erfahrungen mit Gewalt an anderen und auch an sich selbst gemacht“, sagt Schneider.

Die Schwierigkeit bei der Therapie von verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen sei, dass die Eltern oft Teil des Problems sind, erklärt Meller: „Es gilt im Rahmen von Gesprächen herauszufinden, wo die Gründe für die Auffälligkeiten liegen.“

Durch die Ausweitung der Versorgung könnten auch Heranwachsende mit leichten psychischen Störungen kostenlos therapiert werden, betont Melitopulos: „Bislang ging das nur bei schweren Fällen.“


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