Das große Aufräumen hat begonnen

In Osttirols Wäldern laufen bereits die Motorsägen. Es wird kräftig angepackt, um nach dem Winter Tausende Festmeter Baumwurf aufzuarbeiten. Die enormen Neuschneemengen Ende Jänner richteten übrigens kaum Schaden an.

Von Claudia Funder

Lienz –Die stärker werdende Frühjahrssonne – gepaart mit steigenden Temperaturen und Wind – machte dem Schnee in Osttirol vielerorts bereits den Garaus. Und damit fiel auch schon der Startschuss für die Forstbesitzer, nach den kräftigen Lebenszeichen des diesjährigen Winters im Wald aufzuräumen. Spuren gilt es viele zu beseitigen, denn das Ausmaß der Zerstörung ist heuer besonders groß.

„Vor etwa drei Wochen wurde begonnen, das Schadholz zu beseitigen“, erklärt Hubert Sint, Leiter der Bezirksforstinspektion Osttirol. „In Leisach, dem Lienzer Talboden, Abfaltersbach und Strassen wird zum Beisiel bereits zügig gearbeitet.“

Doch noch können nicht überall Hand und Gerät angelegt werden. „In höheren Lagen ab 1100 Metern und im Tiroler Gailtal sind aufgrund der Schneelage noch keine größeren Waldarbeiten möglich. Auch sind viele Wege noch gar nicht offen.“ Sint schätzt, dass es noch bis Mitte Mai dauern wird, bis überall aufgeräumt werden kann.

Besonders große Herausforderungen warten im Bereich zwischen Leisach und Sillian, im Tiroler Gailtal, in Inner- und Außervillgraten, dem Defereggental und im Lienzer Talboden auf die Waldbesitzer, denn hier sind die Spuren der Zerstörung besonders massiv. Von Schneedruck und Schneebruch sind etwa 20.000 Festmeter Holz betroffen, betont Sint.

Der Schaden – und das überrascht – ist fast vollständig eine Folge jener Niederschläge, die kurz nach Weihnachten fielen.

Ein Teil der betroffenen Bäume kippte damals zur Gänze – vielfach samt Wurzelteller – um, weil der Boden nicht gefroren war. Der Nassschnee hatte ein enormes Gewicht, dem viele Bäume nicht standhielten.

Sint spricht von einem Ausnahmejahr. Situationen wie diese habe es selten gegeben.

Die deutlich üppigere Schneedecke, die sich Ende Jänner über den Bezirk legte, hinterließ im Wald hingegen kaum Spuren.

Sint: „Anders als in Kärnten, wo es zu großen Schäden kam, war der Schnee in Osttirol vergleichsweise trocken und somit leichter. Es ist kaum etwas passiert. Einige Schäden gab es allerdings durch Lawinen, etwa im Villgratental.“ Mit diesen Ereignissen sei im Zuge der Schneeschmelze auch weiterhin noch zu rechnen.

Bei den Tätigkeiten im Wald sei derzeit besondere Vorsicht geboten, verspannte Bäume und aufgerichtete Wurzelteller können Gefahren darstellen. „Es gab bereits einen Unfall bei Aufräumarbeiten in Assling“, so Sint, der zur besonderen Vorsicht aufruft.

Vor wenigen Tagen wurde in den betroffenen Osttiroler Gemeinden eine Forstschutzverordnung erlassen, mit der Forderung, das Holz möglichst zügig aufzuarbeiten. Das hat auch einen präventiven Grund, denn werde zu lange gewartet, könne im Sommer eine weitere Gefahr in den heimischen Wäldern lauern: der Borkenkäfer.

„Deshalb sollen die Aufräumarbeiten unbedingt bis spätestens Mitte Juli abgeschlossen sein.“ Die bisherigen Rückmeldungen seien erfreulich. Sint: „Es wird bereits viel aufgearbeitet.“

Etliche Forstbesitzer – in Osttirol ist viel Wald in privater Hand – ließen sich in der Bezirksforstinspektion bereits hinsichtlich Förderung beraten, die nach derartigen Schadensfällen beantragt werden kann. „Es gibt elf Euro Förderung pro Kubikmeter Schadholz im Schutzwald“, betont Sint.

Allerdings müssen die Förderungswünsche beim zuständigen Waldaufseher angemeldet werden. Erste Anmeldungen liegen bereits vor. „Sobald die Waldaufseher die Abmaße bestätigt haben, kann der Antrag eingereicht werden“, ergänzt Sint.


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