Pointner verlässt den Trainerturm

Österreichs Skisprung-Cheftrainer Alexander Pointner (43) zieht sich gänzlich aus dem Skiverband zurück und widmet sich künftig neuen Aufgaben.

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Von Florian Madl

Innsbruck –Noch ist nicht die Zeit, darüber zu reden. Alexander Pointner, der das zeit seiner Karriere als Skisprungtrainer gerne tat, wartet noch dienstbeflissen auf die offizielle Aussendung des Österreichischen Skiverbands (ÖSV). Noch ist der sein Arbeitgeber, aber das ändert sich demnächst. Denn die erhoffte Annäherung nach einem Gespräch mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, Generalsekretär Klaus Leistner und Sportdirektor Hans Pum erfolgte nicht. Ein Konzept wäre auf dem Tisch gelegen, auf die Rahmenbedingungen einigen konnte man sich nicht, Alexander Pointner geht.

Steckbrief

Alexander Pointner: Geboren: 1. Jänner 1971 in Grieskirchen (Oberösterreich).

Familienstand: seit 1995 verheiratet mit Angela. Vier Kinder.

Erfolge als Aktiver: zweimal Gold mit der Mannschaft bei der Junioren-WM (1989, 90), Silber bei der Universade (1997).

Karriere als Trainer: ab 1996: Tiroler Skiverband; 1999 – 2002: ÖSV-Co-Trainer; bis 2004: Trainer Trainingsgruppe II. 2004 bis 2014: ÖSV-Cheftrainer.

Erfolge: 4 Gesamtweltcupsiege, 9 Nationencupsiege, 118 Weltcupsiege, 6 Vierschanzentourneesiege in Serie, 32 Medaillen bei Großereignissen (WM, Olympia).

Der Innsbrucker, der noch nach den Olympischen Winterspielen auf einen Neuanfang mit seinen jungen Talenten gehofft hatte, findet sich demnächst als Privatmann wieder: Nach zehn Jahren, die als die erfolgreichste Ära eines Manns seiner Zunft eingeordnet werden können. Und Pointner musste bei Gott nicht wegen Erfolglosigkeit die Segel streichen, ein Tourneesieg und eine Olympiamedaille (Silber, Team) sowie der Gewinn des Nationencups hätten noch vor einigen Jahren einen Langzeitvertrag bedeutet.

Aber die Zeiten ändern sich, die Kritik seines Paradespringers Gregor Schlierenzauer leitete die finale Phase in der Tätigkeit Pointners ein. Präsident Schröcksnadel wollte sich davon (und auch vom Lobbying des Schlierenzauer-Managers Markus Prock) nicht beeinflussen lassen, aber ein Bruch war erkennbar. Und auch die Rückendeckung innerhalb des Verbands genoss Familienvater Pointner nicht mehr in einem Maß, wie er sie zeit seiner Seriensiege garantiert hatte. Gewisse Sachen schleifen sich ein, Abnutzungserscheinungen, all das wird Pointner nach seiner Langzeittätigkeit nicht wegdiskutieren können.

All das sprach in letzter Konsequenz für einen Neuanfang, der wohl mit dem Kärntner Heinz Kuttin gelingen soll. Der Vertrauensmann von Thomas Morgenstern würde sich als Kompromiss anbieten, an der Kompetenz des Doppel-Weltmeisters von 1991 zweifelt keiner.

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Mit Alexander Pointners Abgang findet auch ein Paradigmenwechsel statt, dem neuen Trainer soll so manche organisatorische Aufgabe von Ernst Vettori übertragen werden (siehe links). Dass der Absamer als Sportdirektor nicht zurücktrat, verhinderte auch Pointners Rochade in diese Position. Und dessen Wechsel in ein anderes Land scheint ausgeschlossen.


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