Getrieben von der großen Neugierde

Ihr aktueller Band „Leben, Denken, Schauen“ enthält Essays, die in den Jahren zwischen 2006 und 2011 entstanden sind.

Siri Hustvedt, US-Schriftstellerin mit norwegischen Wurzeln, spannt in ihren Essays Bögen zwischen Leben, Kunst und Wissenschaft.
© Marion Ettlinger

Innsbruck –Siri Hustvedt ist eine Meisterin im Bögenspannen. Sie verbindet Persönliches mit Kunst, sie eilt von der Naturwissenschaft in die Geisteswissenschaft und pendelt von der Psychologie zur Philosophie. Sie hakt sich an der menschlichen Wahrnehmung und an seinem Erinnerungsvermögen fest. Was sie antreibt, ist eine große Neugierde. Ihr aktueller Band „Leben, Denken, Schauen“ enthält Essays, die in den Jahren zwischen 2006 und 2011 entstanden sind. Besonders präsent ist auch in diesen Texten ihr Interesse für die Neurowissenschaften. 2010 ist ihr Buch „Die zitternde Frau. Eine Geschichte meiner Nerven“ erschienen, in dem sie in die Medizingeschichte eintaucht. Anlass war damals ein unkontrollierbarer Zitteranfall, der sie während eines Vortrags überfiel und sie selbst wie auch das Publikum ratlos zurückließ.

„Tu nichts, was du nicht tun willst“, ist ein Satz aus dem Kapitel „Leben“. Er stammt von Hustvedts Mutter. Er klingt weise wie banal und Hust­vedt macht daraus eine Achterbahnfahrt der Hinterfragung.

Im Kapitel „Denken“ stellt die New Yorkerin nicht nur fest, dass die Zahl der wissenschaftlichen Arbeiten schön zunimmt, während das Weltverständnis abnimmt. Später widmet sie sich eindringlich dem Werk von Sigmund Freud. Weiterführend lässt sie Leserin und Leser in die Rolle eines Psychoanalytikers schlüpfen, die unbewusste Gedankengänge von Autoren durchschauen. Und wer noch ein schönes Zitat über das Lesen an sich sucht, wird mit dem Satz bedient: „Je mehr ich lese, desto mehr verändere ich mich.“ Damit ist die Möglichkeit gemeint, die Welt von vielen verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Siri Hustvedt bekennt sich in den Essays zur Ich-Form. Das ist ein Grund für die Anziehungskraft ihrer Texte. (sst)

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Essays Siri Hustvedt. Leben, Denken, Schauen. Rowohlt, 489 Seiten, 25,70 Euro.


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