Tourismus zündet kein Osterfeuer, Wetter lässt vieles offen

Unter Touristikern will wegen des späten Ostertermins keine rechte Feierstimmung aufkommen. Die Tiroler nutzen die Ferien für einen Tapetenwechsel. Das Wetter könnte uns noch ein faules Ei legen.

Von Marco Witting und Christoph Mair

Innsbruck – Ostern ist beweglich. Das christliche Fest der Auferstehung Jesu fällt auf den Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond, kalendermäßig also in die Zeit zwischen 22. März und 25. April. Viel Bewegung ist auch beim Wetter möglich. Späte Ostern garantieren jedoch nicht automatisch Eiersuche bei angenehmen Temperaturen. Auch heuer nicht – doch dazu später mehr. Die Tiroler Tageszeitung hat sich angeschaut, wie der Hase zum späten Ostertermin heuer läuft:

Ostern 2014 – Skilauf und AllerlEI

Pistenspaß: Viele Tiroler Skigebiete haben über Ostern noch geöffnet. Die Pisten sind vielerorts noch in sehr gutem Zustand. Hier ein Überblick über die Schließungstermine:

21. 4. (Ostermontag): Wiedersbergerhorn, Axamer Lizum, Panoramabahn Kitzbüheler Alpen, Fleckalmbahn, Hochoetz, Bergbahnen Kappl, Rifflsee, Schlick 2000, Fendels, Tiroler Zugspitzbahn, Ehrwalder Almbahn, Ski- und Gletscherwelt Zillertal 3000, Zillertal Arena, Mayrhofen, Obertilliach, St.Jakob und Matrei-Kals.

22. 4.: Serfaus-Fiss-Ladis.

25. 4.: Galtür, Bergbahn See, Hochzeiger Bergbahnen, Nauders Bergkastel.

26. 4.: Hochzillertal Kaltenbach.

27. 4.: Kühtai, Arlberger Bergbahnen, Hochfügen.

1. 5.: Hahnenkammbahn.

4. 5.: Winterskigebiet Sölden, Obergurgl-Hochgurgl, Silvrettabahn Ischgl.

Ostereier: 1,5 Milliarden Eier legen Österreichs sechs Millionen Hennen jährlich. Im Vorjahr wurden 705 Millionen Frischeier verkauft. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch bei Eiern liegt in Österreich sehr konstant bei 234 Stück jährlich. Siebzig Millionen Eier werden in der Osterzeit konsumiert, fünfzig Millionen, davon allein 5,6 Millionen in Tirol, landen bereits gekocht und gefärbt im Einkaufskorb. Greenpeace hat beim Test von Farben zum Selberfärben in 43 von 52 Proben bedenkliche Farbstoffe gefunden.

1. Tourismus: Die Touristiker haben mit dem Osterhasen Ende April meist keine große Gaudi. Die Lust auf Wintersport ist bei vielen Gästen schon in der Frühlingssonne dahingeschmolzen, ebenso wie der Schnee auf den Pisten. Nach einer generell schwierigen Wintersaison lässt sich der von der Tirolwerbung abgefragte Tenor in Tirols Top-Destinationen auf folgenden Nenner bringen: Hervorragende Bedingungen auf den Pisten treffen auf eine Buchungslage, die niemanden euphorisch werden lässt. In den Ötztaler Wintersportorten Sölden und Obergurgl-Hochgurgl sei die Karwoche recht gut gebucht, die Nachfrage über die Ostertage jedoch „eher mäßig“, berichtet Carmen Fender vom TVB. „Späte Ostern sind für Tirols Tourismus eine große Herausforderung, weil die Konkurrenz, je wärmer es wird, stark zunimmt“, sagt Josef Margreiter als Geschäftsführer der Tirolwerbung. „Heuer ist die Situation aufgrund des anhaltend warmen Wetters ungleich schwieriger, die Leute noch für den Frühlingsskilauf zu gewinnen.“ Viele Tourismusregionen hoffen auf kurz entschlossene Urlauber.

2. Urlaub: Die Osterferien nutzen auch viele Tiroler für einen kurzen Tapetenwechsel. „Ostern ist für die Tiroler ein sehr beliebter Reisetermin“, erzählt Andreas Kröll, Fachgruppenobmann der Tiroler Reisebüros in der Wirtschaftskammer. Allerdings mit der Einschränkung, dass man in heimischen Breiten eher in der Karwoche verreist. Spätestens am Ostersonntag wollen die Tiroler wieder daheim sein. Die Reiseziele der Urlauber? „Da ist die ganze Palette des Programmes dabei“, sagt Kröll. Das reicht von Mallorca, wo viele zum Radfahren hinfliegen, über Städtereisen bis hin zum klassischen Strandurlaub inklusive Badespaß im Indischen Ozean. Eigentlich wäre Ägypten um diese Zeit „die klassische“ Destination für einen Osterurlaub. Aber: Die politische Situation schreckt viele Tiroler ab. „Trotz sehr billiger Preise“, wie Kröll erklärt. Im Aufwind sind dagegen Kurztrips in Richtung Dubai.

Ein Kuriosum erleben die Reisebüros bei den Städtereisen. Neben „dem Klassiker“ Barcelona, wie es Kröll nennt, erlebe die italienische Hauptstadt Rom derzeit einen regelrechten Boom. Der Grund: Papst Franziskus. Offenbar lockt der charismatische neue Papst viele Menschen in die Ewige Stadt.

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3. Brauchtum: Rund 200 bis 300 Osterfeuer werden in der Osternacht im Zillertal entzündet. Während der Brauch im restlichen Tirol eigentlich keine Bedeutung hat, wird er hier noch fleißig gepflegt. Ein wachsames Auge auf das Treiben hat dabei die örtliche Bergwacht. „Wir kontrollieren die Einhaltung des Abfallwirtschaftsgesetzes“, sagt Walter Zobl von der Landesstelle. Dabei würden sich die Zillertaler Kollegen alle angemeldeten (das ist Pflicht) Feuerstellen schon in den Tagen vorher genau anschauen. „Früher wurde hier von Altreifen bis zu Matratzen alles entsorgt. Durch die Kontrollen und das Bewusstsein der Menschen hat sich das mittlerweile gänzlich aufgehört“, sagt Zobl. In den vergangenen Jahren hatte es keine Strafen mehr gegeben. Das war vor einigen Jahren noch ganz anders.

4. Wetter: Das Wetter kann zu Ostern vor allem für all jene, die sich auf Aktivitäten im Freien freuen, zum Spielverderber werden. Der morgige Samstag fällt wechselhaft aus. Zur Palmprozession am Palmsonntag dürften sich hingegen vor allem im Tiroler Oberland schon wieder erste Sonnenfenster ausgehen, sagt Meteorologe Thomas Rinderer vom Wetterdienst Ubimet. Der Westen Österreichs dürfte auch die höchsten Temperaturen abbekommen, das Thermometer auf bis zu 20 Grad steigen. Sogar noch ein, zwei Grad mehr seien zu Beginn der Karwoche möglich. Gleichzeitig seien in höheren Lagen teils bis zu 20 cm Neuschnee gefallen, sodass die großen Skigebiete auch ohne Gletscher noch mit Schneehöhen zwischen 1,20 und 2,20 Metern aufwarten können. Alle, die es auf die Pisten zieht, erinnert Rinderer an die Sonnencreme: „Die Sonne hat um diese Jahreszeit dieselbe Kraft wie im August.“

Ob man die Sonnencreme auch am Osterwochenende braucht? Die Modelle gingen noch auseinander, sagt Rinderer: Einige schauen wechselhaft aus, andere ganz schlecht. „Da könnte es auch Schnee bis unter 1000 Meter geben.“ Ostereier im Schnee? So weit will er noch nicht vorausschauen. Eine seriöse Prognose bis zum Ostersonntag sei noch nicht möglich.

Kaum Überraschungen im Verkehr

Auf die Frage nach Staupunkten und stark belasteten Strecken im Osterreiseverkehr kommt Fritz Werner vom ÖAMTC Tirol rasch auf die „üblichen Verdächtigen“. Dazu zählen die Inntalautobahn „in ihrem ganzen Verlauf“ samt der bayerischen Zulaufstrecke, der A93 von Rosenheim herein. Auf der Brennerautobahn könnte es an den beiden Mautstellen stocken, besonders bei jener in Sterzing, warnt der Verkehrsexperte. Nicht zu vergessen sei natürlich die Fernpassroute – mit möglicher Blockabfertigung vor dem Füssener und Lermooser Tunnel.

Mit dem Start einer ersten Reisewelle rechnet der ÖAMTC bereits heute Freitag, richtig anrollen dürfte die Blechlawine allerdings erst in einer Woche, am Karfreitag. Der Trend gehe eindeutig Richtung Kurzurlaub.

„Wer auch von den Einheimischen nicht im Stau stehen will, sollte besonders am Karsamstag die Hauptreisezeit zwischen 9 und 15 Uhr meiden“, rät Fritz Werner. Die Rückreise dürfte sich vom Ostermontag bis zum Dienstag erstrecken.

Wegen der guten Schneelage sei auch auf den Zufahrten zu den großen Skigebieten mit Verzögerungen zu rechnen, erinnert Werner und nennt auch hier bekannte Namen: den Großraum Kitzbühel, speziell die Loferer Straße, die Arlbergregion oder das Paznauntal mit der Hochburg Ischgl oder das Zillertal.

Trotz der wahrscheinlich nicht ausbleibenden Behinderungen rechnet Werner „nicht mit der großen Katastrophe. Der Verkehr dürfte sich ganz gut verteilen.“ Auch von den zahlreichen Baustellen, die bereits aus dem Boden geschossen sind, erwartete Werner keine allzu großen Behinderungen. Sie seien meist „gut organisiert und zweispurig“.

An den erwartbaren Unannehmlichkeiten und Geduldsproben auf der Straße haken die ÖBB ein, die laut eigenen Angaben für die Karwoche und Osterzeit österreichweit 17.600 Sitzplätze zusätzlich zur Verfügung stellen.

Für Zugreisende, die im Urlaubsort nicht auf ihr Auto verzichten wollen, haben die ÖBB auch ihr Autoreisezug­angebot um 181 Autostellplätze erweitert. Trotz der Aufstockungen bei den Sitzplätzen empfiehlt aber auch die Bahn eine Reservierung, um tatsächlich zu einem Sitzplatz zu kommen.


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