Wenn sich der Stacheldraht in Gold verwandelt

Ein Projekt soll neue Methoden für die Arbeit mit Jugendlichen entwickeln, um sie bei der Berufswahl zu unterstützen. Das geschieht unter anderem mit Symbolarbeit.

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Von Miriam Hotter

Innsbruck –Thomas krempelt die Ärmel seines blauen Pullovers hoch und kniet sich in die Mitte des Stuhlkreises im Medienhaus in Innsbruck. Der 16-Jährige nimmt ein Stück Stacheldraht aus einem Jutesack und legt es auf ein weißes Blatt Papier. Er kniet vor einem Problem. „Der Stacheldraht ist ein Symbol für Überwindung“, erklärt der Schüler. Überwindung zum Lernen.

Die Symbolarbeit ist ein Teil des Pilotprojekts „Perspektivenbildung Österreich“, das es sich zum Ziel gemacht hat, neue methodische Ansätze zu entwickeln. Diese Methoden sollen Lehrer, Trainer in der Erwachsenenbildung und Sozialarbeiter künftig in speziellen Workshops kennenlernen. Das Projekt wird aus Mitteln des Bildungsministeriums und des Europäischen Sozialfonds finanziert.

Thomas betrachtet das Stück Stacheldraht und spielt nervös mit seinen Händen. Oft fällt es ihm nicht, seine Bedürfnisse auszudrücken. Die Symbolarbeit hilft ihm. Der Stacheldraht soll heißen: Ich brauche Hilfe beim Lernen. „Vielen Jugendlichen fehlen die Worte um zu sagen, was sie brauchen“, erklärt Paul Schober von der Hafelekar Unternehmensberatung, die mit dem Zentrum für MigrantInnen in Tirol, dem Zentrum für Soziale Innovation, der Uni Innsbruck und dem Berufsförderungsinstitut das Projekt umgesetzt haben.

Die Methoden sollen vor allem Jugendlichen mit höherem Unterstützungsbedarf helfen. „Wir wollen ihnen in der Ausbildung und bei der Berufswahl helfen“, sagt Schober. In Tirol sind 3379 Tiroler zwischen 15 und 24 Jahren ohne Job.

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Die Symbolarbeit soll Antworten auf Fragen wie „Wo will ich hin?“ oder „Was brauche ich?“ finden. Ein weiterer Ansatz ist die Theaterpädagogik. „So lernen die Jugendlichen sich zu präsentieren, etwa bei einem Vorstellungsgespräch.“

Wichtig dabei sei immer, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen festzulegen. „Nicht jeder kann das werden, was er will. Wir suchen nach der besten Chance“, sagt Schober.

Thomas weiß noch nicht, was er später arbeiten will. Erst möchte er seinen Hauptschulabschluss schaffen. Er nimmt einen goldenen Stein und legt ihn neben den Stacheldraht. „Der Stein soll zeigen, wie stolz ich bin, wenn ich die Schule gemeistert habe.“

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