Zuhören bringt schon weiter

Im Herbst startet wieder eine Ausbildung für die Telefonseelsorge der Diözese. Eine Frau und ein Mann berichten über ihren Einsatz.

Von Sabine Strobl

Innsbruck –Die Lebens­situation von Lisa und Gerhard (Namen geändert) ist unterschiedlich. Sie ist Studentin, er steht auf dem Höhepunkt seines Berufs­lebens. Was beide verbindet, ist ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei der Telefonseelsorge. „Es ist eine sinnerfüllte Arbeit. Ich habe noch nach jedem Dienst gedacht, es war gut, dass ich da war“, erzählt Gerhard von seinen Erfahrungen. „Ich war doch überrascht, wie groß die Gruppe von Menschen ist, die niemanden zum Reden haben“, erinnert sich Lisa an ihre ersten Dienste. Beide erleben, wie erleichternd sich die Anonymität der Gespräche auf die Ratsuchenden auswirkt.

In den letzten zehn Jahren sind die Gespräche von etwa 10.000 pro Jahr auf 16.000 gestiegen. Die Gründe eines Anrufs sind: Alltagsbewältigung, psychische Ausnahmesituatione­n, Beziehungsprobleme, bis hin zu Geldsorgen, Sucht und Gewalt.

„Wir werden nicht als große Therapeuten gebraucht, sondern als Zuhörer“, sagt Gerhard. Und Lisa: „Es geht um aktives Zuhören, das zeigt, dass man mitdenkt. Man lernt, auch auf Zwischentöne und nicht Gesagtes zu hören.“ Rund 80 Personen umfasst derzeit das Team der Telefonseelsorge, informiert Leiterin Astrid Höpperger. Alle zwei Jahr­e organisiert die Diözese ein­e neunmonatige Ausbildung. Im Herbst startet der nächste Lehrgang, der Wissen zu psychischen Erkrankungen, Krisen und Trauer vermittelt sowie Selbsterfahrung und Gesprächsführung beinhaltet. Angesprochen sind Menschen zwischen 25 und 65 in stabilen Lebenssituationen. Toleranz, Empathiefähigkeit und Einfühlsamkeit sind in der Telefonseelsorg­e wertvolle Eigenschaften. Höpperger: „Wir hoffen, dass die Ehrenamtlichen drei Jahre dabeibleiben.“


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