Julia’s Betontaxi ist rosaroter Blickfang auf grauen Baustellen

Julia Eiter sorgt für Aufsehen. Das Gefährt der wahrscheinlich einzigen Betonmischwagenfahrerin des Oberlands ist rosa.

Von Matthias Reichle

Zams, Karrösten –Im heurigen Jänner wurde beim Zammer Unternehmen TBA eine Regel aufgestellt: „Alles, was besoffen ausgemacht wurde, gilt nicht, speziell, wenn es bei der Weihnachtsfeier passiert“, betont Mechaniker Thomas Raich. Der Grund für das ungeschriebene Gesetz ist eine „b’soffene G’schicht“, die im Bezirk Landeck gelinde gesagt für Aufsehen sorgt.

Seit einigen Tagen ist dort nämlich die wahrscheinlich einzige Beton­mischwagenfahrerin des Oberlands mit einem rosa­roten Blickfang unterwegs.

Die Idee wurde, wie gesagt, bei der Weihnachtsfeier geboren. Es war nach 22 Uhr und die Runde saß an der Bar. Unter ihnen auch TBA-Leihfahrerin Juli­a Eiter, Mitarbeiterin des Karröster Unternehmens Sommer- und Winterdienst Norbert Eiter. Über was sprechen Fahrer unter sich? Lkw, natürlich. Und dieses spezielle Mal ging es um Lackierungen. Als Frau wünsche sie sich die Farbe Rosa für ihr Gefährt, betonte Eiter fröhlich. Kein Problem, hieß es rundum.

Auf den Rausch folgte dann aber ein mächtiger „Kater“, als klar wurde, wie viel Arbeit das bedeuten würde. „Ich hätte gehofft, dass das Projekt in Vergessenheit gerät“, schmunzelt Raich. Geriet es aber nicht.

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Eine Woche hat man geschuftet, um den Betonmischwagen so herzurichten, wie er jetzt dasteht: rosa Trommel, rosa Felgen, rosa Blumengirlanden, ros­a Stufen zur Fahrerkabine sowie unzählige rosa Schmuckelemente. Und über der Windschutzscheibe die Aufschrift „Julia’s Betontaxi“ – natürlich auch in Rosa. Als Verzierung an der Trommel wurde die „blaue Elise“ – eine Figur aus der Zeichentrickserie „Der rosa­rote Panther“ – gewählt. Verzichtet hat man auf die Blumenkästen, die nach der ursprünglichen Idee am Fahrzeug befestigt werden hätten sollen. Den zarten Pflänzchen sprach Raich, der das Projekt gemeinsam mit Egon Kneringer umgesetzt hat, kein­e Überlebenschancen zu. Der Mechaniker hat sein Gesamtkunstwerk mit seinem Logo „RaTho Design“ signiert. „Wir haben 25 Liter Farbe gebraucht“, zieht er heute Bilanz.

Dabei ist Rosa nicht einmal Julia Eiters Lieblingsfarbe: „Aber es schaut weiblicher aus“, freut sich die Lkw-Fahrerin über ihren „frisch gestrichenen“ Arbeitsplatz, der viele Bewunderer auf den Plan ruft. Auf dem Waschplatz sei sie allein dreimal angehupt worden.

Ihr Auftraggeber, TBA-Betriebsleiter Paul Tschol, bezeichnet seine Mitarbeiterin als „Amazone in fremden Gewässern“. Sie sei die einzige Betonmischwagenfahrerin, die er kenne.

Angefangen habe sie mit einer kleinen Kehrmaschine, berichtet Eite­r. Ihr­e Karriere kam erst nach der Geburt von vier Töchtern – im wahrsten Sinn des Wortes – ins Rollen. Irgendwann habe sie der Nachwuchs daheim nicht mehr gebraucht. Seit einigen Jahren fährt sie jetzt Lkw.

„Sie ist unser bestes Pferd im Stall“, schmunzelt Norbert Eiter. „Ich könnte mir heute nichts anderes mehr vorstellen“, betont die Fahrerin selbst. Ihre Töchter finden den rosa Betonmischer jedenfalls „total cool“.


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