In Tirol heben immer mehr Flugobjekte mit einer Kamera ab

Flugmodelle mit Kameras: Die Haftpflichtversicherung steigt bei Schäden aus. Der Datenschutz ist zu berücksichtigen.

Innsbruck –Nach den Helmkameras sind ferngesteuerte Multikopter mit Kamera der letzte Schrei. Das Internet bietet tolle Videos, in denen von der Vogelperspektive aus Landschaft und Sport in Szene gesetzt werden. Die filmenden Fluggeräte sind ein „Riesentrend in Tirol“, stellt auch Martin Haller, beim Aeroclub Tirol Sektionsleiter für Modellflug, fest.

Multikopter und Co. fangen mit ihren Kameras nicht nur die weiße Pracht am Arlberg ein, sondern können auch einen Blick hinter die Fenster der Maria-Theresien-Straße werfen oder gar jeden Samstag den Nachbarn beim Sonnenbaden im Garten verwirren. Schnell spielen bei diesem Freizeittrend Schutz vor Sachschäden, Sicherheit, Privatsphäre und Datenschutz eine Rolle. Haller weist darauf hin, dass die Haftpflichtversicherung aussteigt, wenn es zum Beispiel um Schäden an parkenden Autos durch solche Fluggeräte geht. „Aus den Bedingungen der Privathaftpflicht geht klar und eindeutig hervor, dass ausschließlich nicht motorisch angetriebene Flugmodelle bis 5 Kilogramm versichert sind.“ Sämtliche andere Flugmodelle müssten im Rahmen einer speziellen Luftfahrthaftpflicht nach den Luftfahrthaftpflichtversicherungsbedingungen versichert sein. Haller: „Wir geben gerne Auskunft.“

Auch das novellierte Luftfahrtgesetz, das seit Jänner 2014 in Kraft ist, berücksichtigt den Boom von unbemannten Luftfahrzeugen, die in der Werbebranche ebenso Einzug halten wie in der Forschung. Das EU-Verkehrskommissariat rechnet damit, dass zivile „Drohnen“ in den kommenden zehn Jahren zehn Prozent des Luftverkehrsmarktes ausmachen können. Hier geht es vor allem um Sicherheitsbedingungen und Gewerbeerlaubnis. Je nach Einsatzgebiet (unbewohnt oder besiedelt) und Gewicht variieren die Auflagen. Wie Peter Schmidt von der zuständigen Austrocontrol informiert, sind bereits 100 Anträge eingegangen. Vom neuen Gesetz ausgenommen sind aber Spielzeughubschrauber, die nicht mehr als 250 Gramm wiegen und nur bis in eine Höhe von 30 m eingesetzt werden, erklärt Schmidt.

Bleibt noch der Datenschutz und die Privatsphäre. Datenschützer Max Schrems stellt klar, dass man weder seine Nachbarn überwachen noch ihnen dieses Gefühl geben darf. Bilder von anderen sollten nicht ohne deren Einverständnis ins Netz gestellt werden. Es gebe kein absolutes Recht auf Datenschutz, sagt Matthias Schmidl von der Datenschutzbehörde in Wien. Bei Bildern ist die Frage wichtig, ab wann eine Person nicht nur erkenn-, sondern identifizierbar ist. Flugmodelle mit Kameras begeben sich hier auf heikles Terrain. (sst)


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