Neue Bahn auf das Rangger Köpfl

Die Bergbahnen Oberperfuss haben um die naturschutzrechtliche Bewilligung für eine 8er-Gondelbahn als Schlepplift-Ersatz in der Sektion II angesucht. Bergbahnenstudie spielt für Investitionsentscheid keine Rolle.

Von Manfred Mitterwachauer

Oberperfuss, Innsbruck –Die Oberperfer wollen nicht aufgeben. Schon gar nicht ihr kleines, feines Skigebiet aufs Rangger Köpfl. In allen großen Zukunftsvarianten, die derzeit auf Basis der Bergbahnenstudie der Schweizer Firma grischconsulta im Raum Innsbruck diskutiert werden, scheinen die Bergbahnen Oberperfuss nicht auf. Genauso wenig wie der Glungezer. Zu klein, nicht rentabel, keine Bedeutung für den Großraum – das Fazit ist vernichtend. Eine notwendige Strukturbereinigung – das wäre für die Experten die Schließung beider Anlagen.

„Für uns gibt es nur den Blick nach vorn“, will der Geschäftsführer der Oberperfer Bergbahnen, Hubert Deutschmann, allen Studien­ergebnissen zum Trotz noch lange nicht freiwillig die Segel streichen. Ganz im Gegenteil: Die Bergbahnen Oberperfuss wollen kräftig ausbauen. Und zwar in Form einer neuen 8er-Gondelbahn auf der zweiten Sektion, direkt im Anschluss an die bestehende Gondelbahn. Bereits für 22. Mai wurde vom Amt der Tiroler Landesregierung die naturschutzrechtliche Verhandlung anberaumt. Deutschmann bestätigt auf TT-Anfrage den Termin. Der Ausbau sei Teil einer laufenden „konkreten strategischen Planung“. Denn erst mit einer naturschutzrechtlichen Genehmigung in der Tasche könne man in das seilbahnrechtliche Genehmigungsverfahren einsteigen.

Konkret sieht der Antrag vor, dass die 8er-Gondelbahn den in die Jahre gekommenen Schlepplift (Baujahr 1974) zum Sulzstich ersetzen soll. Der Schlepper sei für Anfänger und Kinder nicht geeignet, so Deutschmann. Während die Talstation der geplanten Einseilumlaufbahn unmittelbar zur bestehenden Bergstation errichtet werden soll, wird die neue Bergstation etwas oberhalb des Speicherteichs „Sulzstich“ zu liegen kommen. Die rund eineinhalb Kilometer lange Lifttrasse soll indes nach Süden abrücken. „Jede der sieben Stützen ist geologisch zu untersuchen“, sagt Deutschmann. Die Idee, die bestehende Gondelbahn einfach über die alte Bergstation hinaus zu verlängern, habe man verworfen – eine Durchfahrstation hätte Mehrkosten von rund 400.000 Euro verursacht. Die Pistenfläche wird nicht erweitert. Adaptiert werden muss hingegen die Anbindung zur Rodelbahn.

Alle Planungen seien „im Einvernehmen mit den Eigentümern“ erfolgt, hält Deutschmann fest. Und das ist zu 100 Prozent die Gemeinde Oberperfuss. 2002 hatte man die Anlagen einem Masseverwalter abgekauft. Dann wurde kräftig investiert. 2005 in Beschneiung und Speicherteich, zwei Jahre später flossen vier Millionen Euro in die neue Gondelbahn. Noch könne er keine genauen Zahlen für das neue Liftprojekt nennen, sagt Deutschmann. An die vier Millionen dürften aber schon notwendig sein. Wer das Geld aufbringen soll, ist noch unklar. Die Gemeinde allein werde es wohl nicht sein, heißt es. Möglich, dass nach einem privaten Investor gesucht wird. Weder das eine noch das andere will Deutschmann zum jetzigen Zeitpunkt bestätigen: „Die Finanzierungsstruktur ist noch offen.“ Ebenso ein möglicher Baubeginn.

Dass die Bergbahnen Oberperfuss aber Zukunft haben, davon ist Deutschmann überzeugt. Vier Jahre lang habe man es nun geschafft, mit einem „positiven operativen Ergebnis“ abzuschließen und ohne Zuschüsse von der Gemeinde auszukommen. Soll heißen: der laufende Betrieb konnte mit eigenen Mitteln bestritten werden. Und auch wenn die heurige Saison witterungsbedingt eher mäßig gelaufen sei – das Ergebnis werde trotzdem positiv sein, sagt Deutschmann.

Zugeknöpft gibt man sich zu den Oberperfer Plänen indes beim TVB Innsbruck. Dort wird, wie berichtet, gerade an einer Holding-Variante zwischen Patscherkofel, Muttereralm und Lizum gefeilt. Aus „Loyalitätsgründen“ gegenüber BM Johanna Obojes-Rubatscher wolle er sich derzeit nicht dazu äußern, sagt TVB-Obmann Karl Gostner.


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