Banken drohen mit Abwanderung

Wegen des Politstreits rund um die Bankenabgabe erwägt nun die RLB Oberösterreich den Abzug nach Deutschland.

Wien, Linz –Es kracht laut im Gebälk der heimischen Bankenlandschaft. Die Raiffeisenlandesbank (RLB) OÖ will nun prüfen, wie sich eine Übersiedlung des Konzernsitzes nach Deutschland auswirken würde. „Es wäre betriebswirtschaftlich fahrlässig, wenn ich eine Verlegung nicht für eine Option hielte“, sagte Generaldirektor Heinrich Schaller gegenüber den Oberösterreichischen Nachrichten. In Österreich muss die RLB OÖ derzeit 34 Millionen Euro an Bankenabgabe zahlen, in Deutschland wären es nur fünf Millionen.

Schaller lässt keinen Zweifel daran, „dass wir nicht die einzige Bank sind, die eine Verlegung ins Ausland prüft“. Erst diese Woche hatte der tschechische Staatspräsident Milos Zeman erklärt, dass die börsenotierte österreichische Erste Group erwäge, ihren Sitz von Wien nach Prag zu verlegen. Trotz eines diplomatischen Dementis von Erste-Boss Andreas Treichl gilt der Schritt unter Branchenkennern als nicht ausgeschlossen.

Die RLB Oberösterreich würde freilich nicht zur Gänze abwandern, betroffen wären nur einige Stabsstellen. „Die Nähe zu unseren Kunden ist uns wichtig“, sagt Bankenchef Schaller, die Kunden sollen von dem Abzug möglichst nichts bemerken. Aber die Belastung der Banken habe nun ein Ausmaß erreicht, das man nicht mehr hinnehmen wolle. Der RLB-Generaldirektor fordert von Seiten der Politik eine Reduktion der Abgabe und eine Klarstellung, wie lange diese noch eingehoben wird.

Die Bankenabgabe sowie die beiden EU-Töpfe für Pleitebanken und die gemeinsame Einlagensicherung dürften die heimischen Geldinstitute pro Jahr rund eine Milliarde Euro kosten, kritisierte Bank-Austria-Boss Willibald Cernko erst diese Woche. Die Banken fordern, einen Teil der Bankenabgabe in die beiden neuen europaweiten Fonds umzuschichten. (TT, APA)

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