Das Zittern vor dem Postboten

Seit 1. April muss ein abgewiesener Asylwerber täglich mit dem Ausreisebefehl rechnen. Wenn der Ägypter abgeschoben wird, verliert ein Baby seinen Vater.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Hat der Briefträger das Schreiben mit Ausreisebefehl gebracht? Immer, wenn ein Asylwerber aus Ägypten bzw. seine Lebensgefährtin den Postkasten leeren, müssen sie mit dem Schlimmsten rechnen: „Seit 1. April kann ich jederzeit abgeschoben werden“, erzählt der 28-Jährige. Ein Horror­szenario für die kleine Familie – im Fall der Abschiebung würde ein sechs Monate altes Baby den Vater und die 20-jährige Mutter ihren Partner verlieren. Die Chancen für eine gemeinsame Zukunft stehen mittlerweile schlechter denn je. Zumal selbst eine Beschwerde gegen den abgelehnten Asylantrag beim Verfassungsgerichtshof keinen Sinn mehr machen würde: „Das sagten uns bereits mehrere Anwälte“, erklärt die in Österreich geborene Kroatin. Trotz der verzweifelten Lage versteckt sich der junge Vater nicht vor den Behörden. „Das würde keinen Sinn machen. Irgendwann gerate ich ja doch in eine Kontrolle.“

Der Ägypter kam vor drei Jahren nach einem abgebrochenen Studium in Moskau nach Österreich. Der damals 25-Jährige beantragte Asyl und fand in Tirol eine neue Bleibe. Zunächst in den Flüchtlingheimen von Axams, Kössen und Reichenau/Innsbruck, inzwischen lebt der Mann mit seiner Familie in einer eigenen Wohnung.

Bei seiner Einvernahme im Bundesasylamt gab der Ägypter im März 2011 an, er sei „von seiner Religion abgefallen“ und zum Christentum konvertiert, aber noch nicht getauft. Dabei versicherte der Flüchtling, dass abtrünnige Muslime in Ägypten in Lebensgefahr seien. Zwar gebe es halbwegs tolerierte christliche Minderheiten im Land am Nil, aber ein konvertierter ehemaliger Moslem werde nicht akzeptiert. Dennoch lehnte das Bundesasylamt den Asylantrag ab. Mit der Begründung, dass der Asylwerber weder seine Gefährdung noch seinen religiösen Gesinnungswandel glaubhaft machen habe können. Er habe auch nicht gewusst, wann Christen das Osterfest feiern, so ein Kritikpunkt.

Der heute 27-Jährige legte Beschwerde gegen den abgelehnten Asylantrag ein und ließ sich im Sommer 2012 taufen.

Noch im selben Jahr lernte der Ägypter eine damals 18-jährige Frau kennen. Die in Österreich geborene Kroatin ist seit Oktober 2013 die Mutter seines Sohnes.

Doch weder der Taufschein des Ägypters noch der Geburtsschein seines Sohnes brachten die Behörden zum Einlenken. „Darüber hinaus hätte der Beschwerdeführer auch die Möglichkeit, im Falle einer Ausweisung nach Ägypten den Kontakt zu seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Kind durch telefonische und postalische Kontakte bzw. über das Internet aufrechtzuerhalten“, präsentierte der Asylgerichtshof im vergangenen Dezember einen „Plan B“. Und lehnte damit den Asylantrag des jungen Vaters endgültig ab. Mit der fast schon zynischen Ergänzung, dass es der Lebensgefährtin „jedenfalls offensteht, den Beschwerdeführer periodenweise in Ägypten zu besuchen“.

Das Paar wollte die Entscheidung zunächst anfechten, konnte sich aber keinen Anwalt leisten. „Unser Antrag auf Rechtshilfe wurde leider abgelehnt“, schildern Vater und Mutter den nächsten Tiefschlag.

Die letzte Hoffnung ruht jetzt auf dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl: „Ich habe dort eine Aufenthaltsgenehmigung beantragt“, berichtet der Ägypter, der erst im Februar erfolgreich seine Deutschprüfung absolviert hat.

Unabhängig von der Entscheidung des Bundesamtes für Fremdenwesen kann der Vater jederzeit abgeschoben werden. „Und wenn das passiert, darf ich 18 Monate nicht nach Europa zurückkehren“, fürchtet sich der Ägypter vor der möglichen langen Trennung von seiner kleinen Familie.


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