Keine Arabellion an der Salzach

Osterfestspiele Salzburg: Florentine Klepper und Christian Thielemann mit Richard Strauss’ „Arabella“.

Von Jörn Florian Fuchs

Salzburg –Es gibt Orte auf unserer schönen Welt, an denen sich die globale Finanzelite alljährlich trifft, um Geschäfte abzuwickeln, Kontakte zu pflegen und ein paar kleinere kulturelle „Ablenkungen“ zu genießen. Seit Langem gehören die Salzburger Osterfestspiele zu solchen Hotspots und man möchte lieber nicht wissen, was vor und nach den Aufführungen sowie in den Pausen bei unzähligen Privatempfängen so alles verhandelt wird. Die vor den Festspielhäusern geparkten Nobelkarossen sind noch eine Spur nobler als im Sommer, die Garderobe des Publikums noch einen Dreh extravaganter als sonst.

Auftakt und zugleich Höhepunkt der aktuellen Festival- ausgabe war „Arabella“ von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, ein durchaus kitschiges Werk mit reichlich Pathos im Text und üppiger Sahnecreme in der Musik. Erzählt wird die Geschichte einer starken Dame, die sich ihren Gatten selbst wählen möchte, statt sich von ihrem Vater aus schnöden finanziellen Gründen verheiraten zu lassen. Am Ende gibt es beides: Liebesheirat und Mammon. Christian Thielemann dirigierte die Sächsische Staatskapelle Dresden meist aufschäumend wild, nicht immer sängerfreundlich und bisweilen arg grobkörnig. Die zentralen Protagonisten waren gänzlich amerikanisch besetzt: Renée Fleming als Arabella und Thomas Hampson als Mandryka. Beide haben ihre Partien schon oft gesungen, doch inzwischen haben sowohl Fleming wie Hampson ihren Zenit weit überschritten. Immer noch gelingen Renée Fleming edel kolorierte Champagnertöne, doch kommt häufig eine Prise Künstlichkeit hinzu, das passt allerdings zu ihrem affektierten Auftreten, divenhaften Grimassieren und Gestikulieren. Nach Flemings erstem großen Auftritt im ersten Akt setzt Thielemann eine Generalpause an, offenbar in Erwartung von rauschendem Beifall. Doch keine Hand rührt sich. Thielemann wartet nun so lange, bis sich endlich ein paar erbarmen. Fürderhin wird straff durchdirigiert ...

Was immer man von Flemings hörbar in die Jahre gekommener Arabella halten mag, ihr zeitweiser Gegenspieler und schlussendlicher Liebespartner fürs Leben – Mandryka – ist ein Totalausfall. Thomas Hampson war einst die Idealbesetzung für Strauss oder Wagner oder auch Mahler-Lieder. Von seinem bronzenen Timbre ist fast nichts mehr übrig, etwa ein Dutzend Mal scheint die Stimme einzubrechen, mit großer Mühe hangelt er sich weiter. Wirklich gut waren in dieser Premiere mehrere kleinere Partien besetzt, allen voran Hanna-Elisabeth Müllers Zdenka und Daniel Behles Matteo.

Regisseurin Florentine Klepper verlegt die Handlung nicht ungeschickt in ein Grandhotel um die Jahrhundertwende und erweitert die Geschichte mit eine Prise Psychoanalyse. Doch insgesamt passiert zu wenig, bleibt alles sehr kleinteilig und energiearm. Problematisch ist auch der Aufführungsort, das teils in engen Räumen spielende Konversationsstück läuft im Großen Festspielhaus. Die Kartenpreise von bis zu 490 Euro sind für all das in keiner Weise gerechtfertigt.

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