Erhaben und beschwingt

Hall – Beim Osterfestival gab Sergey Malov ein begeisterndes Tirol-Debüt. Der junge russische Musiker mit ungarischen Wurzeln ist nicht nur ...

Hall –Beim Osterfestival gab Sergey Malov ein begeisterndes Tirol-Debüt. Der junge russische Musiker mit ungarischen Wurzeln ist nicht nur ein Virtuose auf der Geige, sondern auch auf der Viol­a und dem Violoncell­o da Spalla. Im Salzlager präsentierte er das Programm seiner hochgelobten ersten CD. Im Zentrum stand die Sonate für Violine Solo von Béla Bartók, eingerahmt von den Suiten für Violoncello solo Nr. 1 und 6 von J.S. Bach. Diese spielte Malov auf dem barocken Kleincello, das an einem Gurt vor der Brust gehalten wird. Erst in den letzten Jahren fand dieses im 17. Jahrhundert geläufige fünfsaitige Instrument wieder Beachtung. Manche Experten gehen davon aus, dass Bachs Solosuiten für das Schultercello komponiert worden seien: Was mit Violinfingersätzen gut in der Hand liegt, erfordere beim Beincello komplizierte Lagenwechsel.

In der gnadenlos transparenten Akustik des Salzlagers meisterte Malovs nicht nur staunenswert den Wechsel zwischen zwei äußerst verschiedenen Instrumenten, sondern auch makellos die enormen stilistischen, musikalischen und spieltechnischen Schwierigkeiten. Zudem schien er noch unbeschränkt Kapazitäten für seinen musikalischen Ausdruck frei zu haben.

Fern von stereotypen Einseitigkeiten historischer Aufführungspraxis, suchte er einen eigenen Weg der Interpretation des Barock: Frisch erzeugte er bei sparsamen Verzierungen ein zügiges Vorwärtsströmen. Mehrstimmige Polyphonie verwandelte er in einen Melodiefluss, der in hellhörige Obertöne gebettet war. In Bartóks hochexpressiver Musik fand Malov selten deutlich strukturierende Phrasierungen, weitgezogene Linien und stupend ebenmäßige Steigerungen. Das Bravo des Publikums beflügelte ihn zu einer völlig gelösten Interpretation der letzten Bach-Suite: Wie von Taktstrichen und Noten befreit, spielt er sich in einen Rausch von beschwingter Freudigkeit. Noch einmal ein Instrumentenwechsel zum Ende: Er beschloss den exzellenten Abend auf der Violine mit einer Hommage von György Kurtág an Bach und Bartók. (ber)


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