Jedes dritte Kind per Kaiserschnitt geboren

Fast jedes dritte Kind kommt in Tirol – ähnlich wie in Wien – per Kaiserschnitt zur Welt. Wien startet nun ein Programm zur Senkung der Kaiserschnittrate. In Tirol sieht man keinen Handlungsbedarf.

Symbolfoto.
© Keystone

Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien – Österreichweit bringt rund ein Drittel der Frauen ihr Kind mit einem Kaiserschnitt (Sectio) zur Welt. Weil laut einer neuen Wiener Studie nur rund 1,5 Prozent zu Schwangerschaftsbeginn einen Wunschkaiserschnitt äußern und sich dann doch aus verschiedenen Gründen zum Großteil umentscheiden, startet Wien nun ein Programm zur Senkung der Sectio-Rate. Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely will die Kaiserschnittgeburt­rate auf 20 Prozent senken, Paul Sevelda, Gynäkologe und Vorsitzender der Fachkommission Geburtshilfe des Wiener Krankenanstaltenverbundes, wünscht sich rund fünf Prozentpunkte weniger Kaiserschnitte. „Wir wollen mit einer Infobroschüre vor allem die jungen Frauen erreichen, um sie über Langzeitwirkungen aufzuklären, die bisher unterschätzt wurden“, sagt Sevelda. „Der Kaiserschnitt ist zwar heute eine sichere Geburtsmethode, aber er hat Einfluss auf folgende Schwangerschaften und es gibt auch Hinweise, dass Kinder häufiger Allergien haben.“ Dazu komme, „dass Ärzte berechtigterweise aus Angst, bei eventuellen Geburtskomplikationen finanziell und rechtlich belangt zu werden, mit dem Kaiserschnitt auf Nummer sicher gehen wollen“.

Christian Marth, Vorstand der Universitätsfrauenklinik Innsbruck, sieht in Tirol keinen Handlungsbedarf. „Bei uns spielt der Wunschkaiserschnitt keine so große Rolle.“ Dass an der Innsbrucker Klinik die Kaiserschnittrate mit 38 % über dem Tirolschnitt liegt, „hat damit zu tun, dass zu uns Risikopatienten aus ganz Tirol, Südtirol und auch teilweise aus Vorarlberg kommen“. Zwar sei eine „normale Geburt sicher das schönste und intensivste Erlebnis einer Frau, aber Frauen haben heute auch das Recht, über sich selbst zu bestimmen“. Für Marth ist zudem wichtig, dass bereits bei kleinem Risiko die Möglichkeit besteht, einen Kaiserschnitt zu wählen. „Wir haben in Tirol die niedrigste Säuglingssterblichkeitsrate und das zeigt wohl, dass wir hier einen guten Weg gehen.“ Die Rate um irgendwelche Prozentpunkte zu senken, ist für Marth kein Thema. „Darin sehe ich wirklich keinen Nutzen. Erstens muss man das individuell entscheiden und zudem spart man damit auch keine wesentlichen Kosten.“ Landesrat Bernhard Tilg verweist darauf, dass es österreichweit seit November 2013 den gesetzlichen Auftrag gibt, dass Frauen eine kostenlose Hebammenberatung in der 18. bis 22. Schwangerschaftswoche in Anspruch nehmen können. „In diesem Beratungsgespräch wird speziell auf die Ängste während der Geburt eingegangen, um die Frauen in ihrem Vertrauen, einer natürlichen Geburt positiv gegenüberzustehen, zu stärken.“ Da diese Erweiterung im Mutter-Kind-Pass eine neue Errungenschaft ist, „wird sich eine Auswirkung auf die derzeitige Kaiserschnittrate erst in weiterer Zukunft zeigen“.

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