Europathemen am Stadtmarkt

BM Blanik lud EU-Spitzenkandidat Eugen Freund zu einem Besuch nach Lienz ein.

Von Christoph Blassnig

Lienz –„Ist das die Seilbahn auf das Zettersfeld?“ fragt Eugen Freund beim Blick aus dem Fenster. „Tatsächlich? Da habe ich mir vor 48 Jahren beim Skifahren den Fuß gebrochen und musste meinen Urlaub vorzeitig beenden.“ Sonst wisse er wenig über den Randbezirk Osttirol, gab Eugen Freund bei einem Pressefrühstück in Lienz zu. „Der Felssturz am Felbertauern ist mir natürlich ein Begriff.“

Besonnen antwortete der ehemalige Journalist auf die Frage nach seinen Erfahrungen in der Politik: „Die Angriffigkeit mancher Kollegen hat mich überrascht. Ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass ich niemals einen Interviewpartner in eine Falle gelockt habe, um ihn dann genüsslich vorzuführen. Ich bin gewohnt, mich zu informieren und nachzudenken, bevor ich etwas sage.“

Wenn es um Europa-Themen geht, kann Freund auch emotional werden: „Ich habe selbst Kinder, darum macht mich die Tragödie der Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa persönlich betroffen. Wir dürfen nicht zuschauen, wie eine ganze Generation heranwächst ohne Chance auf Arbeit und den Glauben an unsere Gesellschaft. Darum engagiere ich mich für die Europawahl.“

Europa sei ein in der Geschichte beispielloses Friedensprojekt. In Spanien und Griechenland hätten vor wenigen Jahrzehnten noch Militärdiktaturen geherrscht, die beiden Weltkriege Leid, Zerstörung und massenhaft Tod gebracht. „Wie der Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg für den Wiederaufbau gesorgt hat, kann die EU Entwicklungen und Aufbau steuern. Doch ist ein Kurswechsel in den Bereichen Arbeit, Soziales und Umwelt dringend nötig.“

Europaweit stehe ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Konservativen und Sozialdemokraten bevor. „Die Konservativen stützen Banken und Steueroasen. Wir dagegen wollen den Jungen wieder ihre verdiente Chance geben“, hofft Freund auf große Unterstützung bei der Wahl. Das Geld für diese Beschäftigungsprogramme will Freund unter anderem aus hinterzogenen Steuern zurückgewinnen, „hier liegen 1000 Milliarden Euro. Die Verursacher der Bankenkrisen müssen zur Verantwortung gezogen werden.“ Da sieht Freund Parallelen zu seinem Heimatbundesland Kärnten: „Jörg Haider und seine Parteifreunde haben das Haus der Hypo Alpe Adria angezündet. Und jetzt fordern ausgerechnet die Brandstifter einen Denkzettel für die Feuerwehr. Ich hoffe, die Wähler denken daran.“

Nach dem Frühstück mit den SP-Bürgermeistern Elisabeth Blanik und Dietmar Zant war Eugen Freund zu Gast am Lienzer Stadtmarkt. Er verteilte Ostereier, ging auf die Menschen zu, unterhielt sich angeregt. Ein Markt-Verkäufer konnte seine Wut auf „die da oben“ kaum im Zaum halten und verdeutlichte das mit wildem Klopfen auf seine Theke: „Ihr machts uns hin. Ihr machts mit euren Vorschriften die Bauern hin!“ Eugen Freund hörte zu, machte sich Notizen, antwortete. Dann reichte er dem Mann seine Hand, betonte, dass er hofft, dass dieser wählen geht, und verabschiedete sich.


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