Nicht immer ist Ostern: Tirol als Land der Taufschein-Christen?

Immer häufiger bleiben die Kirchenbänke an Sonntagen leer, aber an Hochfesten wie Ostern sind die Gottesdienste gut besucht. Die Kirche akzeptiert die Realität, hofft jedoch auf neue Impulse.

(Symbolfoto)
© Parigger

Von Peter Nindler und Christoph Mair

Innsbruck –Gestern Gründonnerstag, heute Karfreitag. Dann die Osternacht mit der Auferstehung und der Ostermontag. Ostern hat wie Weihnachten oder Pfingsten nach wie vor eine große Symbolkraft. Es zieht auch jene Katholiken vermehrt in Messfeiern, die keine regelmäßigen Kirchgänger sind. Und das ist indessen eine überwiegende Mehrheit. Rund 65.000 der 403.000 Katholiken in der Diözese besuchen sonntags den Gottesdienst – das sind nur noch 16,1 Prozent. Ist Tirol zu einem Land der Taufschein-Christen geworden? Manifestiert sich Glaube nur noch in Traditionspflege?

Von einem langen Karfreitag in den Gotteshäusern will die heimische Kirchenspitze dennoch nicht sprechen. Man orientiert sich am Positiven. „Natürlich ist die Zielvorgabe mit dem regelmäßigen Besuch der Sonntagsmesse eine andere. Doch mir ist immer noch lieber, die Menschen kommen gelegentlich in den Gottesdienst wie zu den Hochfesten als überhaupt nicht mehr“, sagt der Abt von Stift Stams, German Erd. Es gebe heute viele Gründe, warum viele Katholiken nur noch selten den Gottesdienst besuchen, „obwohl er genauso wichtig wäre wie vielleicht die tägliche Bewegung, um gesund zu bleiben“. Für die Kirche ist es jedenfalls eine Herausforderung. „Natürlich ist es manchmal frustrierend, wenn nur wenige Menschen im Gottesdienst sind, aber die Hoffnung und die Zuversicht überwiegen.“

Generalvikar Jakob Bürgler will eine Krise bei den Kirchenbesuchern gar nicht in Abrede stellen. Feste wie der Palmsonntag oder Ostern seien nicht nur Tradition, sondern würden die Menschen „auch in den Herzen ansprechen“. Die Osternacht etwa mit dem Osterfeuer bedeute für viele Gläubige „ein gutes Stück Trost, dass Dunkelheit und Tod nicht das letzte Wort haben“, sagt Bürgler. Kirchliche Feiern mit besonderen Symbolen würden die Sinne der Menschen vermehrt ansprechen und hätten einen ganz besonderen Charakter. Dass demgegenüber bei der Eucharistie an einem normalen Sonntag, in kirchlicher Diktion „ein kleines Osterfest“, oft viele Kirchenbänke leer bleiben, ist eine Realität, die der Generalvikar kennt und differenziert analysiert, gleichzeitig aber nicht einfach zur Kenntnis nehmen will. Einer Gruppe von Katholiken, die ihren Glauben „treu und stabil ausdrücken“, stehe eine große Zahl gegenüber, die diese Regelmäßigkeit nicht pflege. „Wir haben die große Sorge, dass gerade junge Familien den Bezug zum Sonntagsgottesdienst verlieren“, sagt Bürgler.

Es gibt in einigen Gegenden der Diözese schon massive Einbrüche. Doch statt die so genannte Sonntagspflicht mit erhobenem Zeigefinger einzufordern, sei zu berücksichtigen, dass sich die Sonntagsgestaltung vieler Menschen grundlegend gewandelt habe. Die Diözese bemühe sich daher um Motivation und Einladung zur sonntäglichen Eucharistie. Dazu gehöre z. B. auch eine altersgerechte Vermittlung von Glaubensinhalten an Kinder und Jugendliche.

Die Vorsitzende der Kirchenplattform „Wir sind Kirche“, Martha Heizer, findet es einfach großartig, „wenn am Palmsonntag und zu Ostern die Kirche voll ist“. Sie wolle nicht über die Motive urteilen, warum jemand die Messe besucht. „Wenn es die besondere Symbolik von Ostern ist, die Palmbuschen oder die Tradition – mir ist das alles recht. Wir sollten das alles nicht so punktgenau nehmen.“ Außerdem sei Glaube mehr als der wöchentliche Gottesdienst.

Für den Abt von Stift Stams, German Erd, muss sich die Kirche da letztlich durchkämpfen. Es gehe darum, die Menschen davon zu überzeugen, „dass der Gottesdienst etwas Positives bewirkt“.


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