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„Aelita“: Schwedenrocker Mando Diao tauschen Gitarre mit Synthesizer

Wien (APA) - Hartgesottenen Fans dürfte es vor den Kopf stoßen, was Mando Diao am 2. Mai auf den Markt werfen: Für das neue Album „Aelita“ (...

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Wien (APA) - Hartgesottenen Fans dürfte es vor den Kopf stoßen, was Mando Diao am 2. Mai auf den Markt werfen: Für das neue Album „Aelita“ (Universal) tauschten die Schwedenrocker Motorradjacken gegen Kimono, Gitarren gegen Synthesizer, und wechselten zu 80er-Jahre-Synthie-Pop. Wer den guten alten Garagenrock vermisst, hänge in der Vergangenheit fest, sagt Frontmann Björn Dixgard im APA-Interview.

Mit dem Rockdebüt „Bring ‚Em In“ und jeder Menge Attitüde haben die Mannen aus dem schwedischen Börlange Anfang der Nullerjahre in ihrer Heimat erstmals von sich hören lassen, Hits wie „Long Before Rock n Roll“ oder „Dance with somebody“ machten sie auch im deutschsprachigen Raum berühmt. Fünf Jahre nach dem letzten regulären Rockalbum „Give me Fire“ (2009) wundert es nicht, dass nun die erste zwischen Synthie-Pop und Glamrock changierende Single-Auskopplung „Black Saturday“ samt in Tokio angesiedeltem, Neonlicht-getränktem Musikvideo auf Facebook entrüstete Fans auf den Plan gerufen hat, die den ursprünglichen, rauen Sound der Band nach dem letzten Ausflug ins Akustik-Fach („Infruset“, 2012) endgültig verloren glauben.

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„Wenn sie wirklich dieses Gefühl haben, dann gibt es eh unsere ersten vier Alben, die alle gleich klingen“, meint Dixgard beinahe trotzig. „Wir haben einfach viele Seiten, die wir noch nie gezeigt haben.“ Jene Seite, die nun das bereits siebente Studioalbum prägt, hatten Björn Dixgard und Gustaf Noren als Frontmänner der in der Besetzung stets changierenden Truppe „schon immer“ in sich: „Soul, Funk, Synth, wir haben das immer gefühlt“, sagt der 32-Jährige. „Wir sind in den 90ern aufgewachsen, als elektronische Tanzmusik groß wurde und Michael Jackson, Grunge und Britpop riesig waren, Soul und Funk ebenso. Das ist unsere Basis.“

Den Anstoß zu „Aelita“ hat schließlich ein gleichnamiger sowjetischer Synthesizer gegeben, den die beiden Musiker in einem Second-Hand-Laden in Schweden entdeckt haben. „Als wir ihn mit nach Hause genommen und eingeschaltet haben, kam anfangs kein Ton raus“, erzählt Dixgard. Kurze Zeit später habe das Gerät aber ein „Eigenleben entwickelt“ und einen „Hurrikan an Geräuschen und Tönen“ ausgespuckt. „Wir hatten das Gefühl, es verhält sich wie ein Tier, ist mehr Biologie als Technologie“, sagt Dixgard. „Das ist eine spannende Art, Technologie zu sehen: nicht als kaltes Ding, sondern als Blume, Bär, Hund, was auch immer. So kann man auch einfacher damit kommunizieren.“

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Fortan haben sie mit verschiedenen Synthesizern, Instrumenten und Techniken experimentiert, das Meiste aber dann Profis überlassen - wie Keyboarder Daniel Haglund und nicht zuletzt Synthie-Legende Jan Hammer. Der „Miami Vice“-Komponist hat Sounds zu „Black Saturday“ geliefert. „Die ersten zwei, drei Mal Hören fanden wir schrecklich, was er uns geschickt hat, und haben uns gefragt: ‚Was ist das?‘“, sagt Dixgard. „Aber beim vierten Mal hat es uns umgehauen und wir haben realisiert, dass das was ganz Großes ist.“ Während „Black Saturday“ noch gewohnt Ohrwurm-tauglich ist, wirken Tracks wie „Rooftop“ samt Streichern, „Wet Dreams“ mit Disco-Touch und „Baby“ mit verzerrter Computerstimme schon sperriger. Die behandelten Themen bleiben bei all den Sound-Experimenten aber dieselben: „Sex, Euphorie, Gefühle, darüber haben wir immer schon gesungen.“

Mit neuem Sound verpasst sich Mando Diao auch einen neuen Look. „Wir haben uns Fotos von unseren Anfängen angesehen und das Gefühl gehabt, es sieht ein wenig langweilig aus“, sagt Dixgard. So trägt Gustaf jetzt wasserstoffblonde Haare a la Billy Idol und sitzt Björn in japanischem Satin beim Interview. Generell habe man sich in punkto Look, Video-Ästhetik und Visuals von der asiatischen Kultur, Videospielen und traditioneller Kleidung inspirieren lassen. „Wir hatten immer das Gefühl einer engen Beziehung zu Asien, im Laufe unserer Karriere sind wir viel durch Asien gereist auf der Suche nach Inspiration.“

Wie das direkt vor Publikum ankommt, zeigt sich hierzulande bei der ersten Bewährungsprobe im Juni, wenn Mando Diao am Nova Rock in Nickelsdorf auftreten. Eine gewohnte Rock-Show will Björn Dixgard nicht versprechen. „Was ist schon die Definition für ‚Rock‘, ich weiß es nicht.“

(S E R V I C E - www.mandodiao.com)


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