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Papst-Kanonisierung als Thema des EU-Wahlkampfs in Polen

Warschau/Vatikanstadt (APA) - Der Entwurf eines Parlamentsbeschlusses zur Heiligsprechung des polnischen Papstes Johannes Paul II hat zu ein...

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Warschau/Vatikanstadt (APA) - Der Entwurf eines Parlamentsbeschlusses zur Heiligsprechung des polnischen Papstes Johannes Paul II hat zu einem Zerwürfnis der Abgeordneten in Polen geführt. Die Linksparteien Bündnis der Demokratischen Linken (SLD) und Deine Bewegung (TR) haben sich der Verabschiedung eines gemeinsamen Beschlusses widersetzt und werfen der Rechten vor, dass sie den Papst im EU-Wahlkampf missbraucht.

Parlamentspräsidentin Ewa Kopacz erklärte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Parlament, dass wegen dem Einspruch der Linken der Entwurf dem Kulturausschuss übergeben wurde. Damit ist unwahrscheinlich, dass die Erklärung noch vor den Feierlichkeiten im Vatikan verabschiedet wird.

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Den Text des Beschlusses hat die mitregierende Bauernpartei PSL vorgeschlagen. In der Erklärung sollten die Abgeordneten „ihre Freude und Dankbarkeit“ über die Kanonisierung von Johannes Paul II ausdrücken. Der PSL-Entwurf spricht auch die Hoffnung aus, dass die Heiligsprechung des Papstes „für alle Polen eine Angelegenheit für fröhliches und solidarisches Feiern, sowie ein Anreiz zu einer tieferen Wahrnehmung seines intellektuellen und geistigen Erbes und zur Aufnahme und Fortsetzung seines Werkes sein wird“. Die Idee der Erklärung unterstützen außer der PSL auch die Abgeordneten der rechtsliberalen Regierungspartei PO (Bürgerplattform) und der nationalkonservativen Oppositionspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit).

TR-Sprecher Andrzej Rozenek betonte gegenüber Journalisten, dass das Parlament als eine Staatsinstitution sich mit solchen Religionsangelegenheiten nicht befassen solle. TR-Chef Janusz Palikot warf am Dienstag im Gespräch mit dem Fernsehsender TVN24 den Rechtsparteien vor, dass sie den Papst zu eigenen politischen Zwecken usurpieren.

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Die Vorwürfe Palikots unterstreicht auch die Tageszeitung „Rzeczpsopolita“. Die Zeitung berichtete am Mittwoch, dass die PiS die Kanonisierung von Johannes Paul II nutzen will, um potenzielle Wähler daran zu erinnern, dass sie sich in ihrem Programm auf traditionelle Werte bezieht. PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski plant vor der Heiligsprechung Besuche im konservativen Südpolen, die mit Karol Wojtyla verbunden sind. Die Zeitung wies darauf hin, dass das eine entscheidende Region bei den EU-Wahlen ist. Vor fünf Jahren wurden in diesem Wahlbezirk fast eine Million Stimmzettel – die meisten in ganz Polen – ausgegeben.

Die „Rzeczpospolita“ erfuhr von PiS-Politikern, die anonym bleiben wollten, dass die Partei hoffe, durch die Nutzung des Themas der Kanonisierung die Akzente in der Wahlkampagne ändern zu können. Bisherige Umfragen zeigen, dass die Unterstützung der PO wächst, wenn die öffentliche Meinung sich auf die Ukraine-Krise konzentriert.

Aber nicht nur die PiS greift im Wahlkampf zum Kanonisierungsthema. Vor zwei Wochen nahm Premier Donald Tusk (PO) gemeinsam mit Präsident Bronislaw Komorowski und Kulturminister Bogdan Zdrojewski an der Eröffnung eines Papstmuseums in Wadowice teil. Der aus Polen stammende Papst wird am Sonntag gemeinsam mit Johannes XXIII. von Papst Franziskus heiliggesprochen.


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