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Norwegische Studie belegt Nutzen von Strahlentherapie bei Lungenkrebs

Wien/Berlin/Oslo (APA) - Eine Strahlentherapie kann bei Patienten mit nicht mehr operabler Lungenkrebserkrankung - in diese Gruppe fallen di...

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Wien/Berlin/Oslo (APA) - Eine Strahlentherapie kann bei Patienten mit nicht mehr operabler Lungenkrebserkrankung - in diese Gruppe fallen die meisten Betroffenen - den Tumor zurückdrängen. Das hat eine norwegische Studie ergeben. Sie belegt damit indirekt auch die Gefährlichkeit von Defiziten bei den Behandlungskapazitäten, wie sie österreichische Radiologen erst vor kurzem beklagt haben.

In Österreich erkranken pro Jahr rund 4.100 Menschen an einem Lungenkarzinom. Die Krankheit wird zumeist zu spät für eine kurative Operation entdeckt. Damit stehen der Medizin zu einer den Krankheitsverlauf bremsenden Behandlung, vor allem die Chemo- und die Strahlentherapie, zur Verfügung. Im Rahmen der zielgerichteten medikamentösen Therapie wurde das Spektrum der zur Verfügung stehenden Arzneimittel in jüngster Zeit verbreitert.

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Der Nutzen einer zur medikamentösen Behandlung von Lungenkarzinompatienten zusätzlichen Bestrahlung wurde laut der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (Degro) jetzt erstmals in einer größeren Studie untersucht. In Norwegen prüften Ärzte das Verfahren an 191 Patienten mit einem nicht operablen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom, der häufigsten Lungenkrebsvariante.

Alle Patienten erhielten eine Chemotherapie. Bei der Hälfte wurde zusätzlich eine Strahlentherapie durchgeführt. „Die Entscheidung dafür fiel per Los, was jedoch Patienten oft nicht akzeptieren“, berichtete Michael Baumann, Präsident der deutschen Fachgesellschaft. „Es konnten deshalb nicht die ursprünglich geplanten 305 Patienten in die Studie aufgenommen werden.“ Dennoch war das Ergebnis eindeutig: Die Chemoradiatio, wie die Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie auch genannt wird, verlängerte die mittlere Überlebenszeit der Patienten von 9,7 auf 12,6 Monate. Dabei verschlechterte sich die Lebensqualität nicht, abgesehen von einer kurzen Phase während der Bestrahlung selbst.

Die norwegische Studie ist die erste, die neben der Überlebenszeit auch die Lebensqualität der Patienten untersucht hat. „Dies ist besonders wichtig vor dem Hintergrund der Lebenssituation der Patienten“, sagte Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim. Der Degro-Pressesprecher rät dazu, die Auswirkungen der Strahlentherapie mit den Patienten zu besprechen. Die häufigste Komplikation war eine vorübergehende Entzündung der Speiseröhre, die Ösophagitis. Sie trat bei mehr als 85 Prozent der Patienten auf. Eine Ösophagitis kann für die Patienten kurzfristig sehr schmerzhaft sein und die Nahrungsaufnahme behindern. In der Studie kam es deswegen nicht selten zu Krankenhausaufenthalten.

Lungenkrebs wird oft erst entdeckt, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Von einer Operation sehen Ärzte dann häufig ab, weil die sie sehr riskant ist. „Bei diesen Patienten können wir versuchen, den Tumor durch eine Strahlentherapie zu verkleinern und durch Chemotherapie die Bildung von Metastasen zu verzögern“, erklärte Baumann. Den Wert der Chemotherapie hätten jüngere Studien ebenfalls belegt.

In Österreich gibt es laut einer internationalen Vergleichsstudie und laut führenden Radiologen seit Jahren viel zu wenige Linearbeschleuniger in Kliniken für die Strahlentherapie. Die Richtwerte des Österreichischen Strukturplanes Gesundheit (ÖSG) liegen laut Ärztekammer bei einem strahlentherapeutischen Großgerät pro 100.000 bis 140.000 Bewohner. „Demnach müsste es in Österreich mindestens 64 Geräte geben, tatsächlich gibt es 43. Damit fällt Österreich gegenüber west- und nordeuropäischen Ländern deutlich ab. Für eine Million Einwohner stehen hierzulande durchschnittlich fünf Linearbeschleuniger zur Verfügung, in Westeuropa sind es sieben“, erläuterte vor kurzem Karin Kapp (MedUni Graz), die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Radio-Onkologie, Radiobiologie und Medizinische Radiophysik (ÖGRO). Besonders arg sei der Mangel in Ostösterreich.

„Wir verlieren Menschenleben. Jeder Tag, den wir (bei Krebspatienten; Anm.) verlieren, bedeutet schlechtere Überlebenszeiten“, hatte beispielsweise auch der Wiener Strahlentherapeut Robert Hawliczek (SMZ-Ost) erklärt. Karin Kapp erklärte dazu: „Von dem Mangel besonders betroffen ist Wien, wo 30 Prozent der niederösterreichischen Patienten behandelt werden. Niederösterreich kommt nicht dem Auftrag des ÖSG nach.“ Die Steiermark stehe schlecht da. Laut Hawliczek müsste Niederösterreich wiederum auf eine ähnliche Zahl der Geräte wie Wien - auf zwölf bis 14 (Wien derzeit: elf) - kommen: „Es sind in Niederösterreich aber nur fünf, einer davon ‚gehört‘ dort dem Burgenland.“ Man verstecke sich offenbar hinter dem MedAustron-Großprojekt: „Dieses Großprojekt wird nicht versorgungswirksam.“


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