Entgeltliche Einschaltung

Wenig Mittel gegen Nordkoreas Drohungen

Pjöngjang/Washington/Peking (APA/dpa) - Die USA und Südkorea finden offenbar keine neuen Mittel gegen Nordkoreas jüngste Drohungen - die let...

  • Artikel
  • Diskussion

Pjöngjang/Washington/Peking (APA/dpa) - Die USA und Südkorea finden offenbar keine neuen Mittel gegen Nordkoreas jüngste Drohungen - die letzten Hoffnungen ruhen wieder einmal auf China. Washington und Seoul sehen es nur noch als eine politische Entscheidung des Machthabers Kim Jong Jun, einen atomaren Sprengsatz zu zünden.

Die technischen Vorbereitungen für den vierten Atomtest des Nachbarlandes seien abgeschlossen, heißt es bereits seit Tagen in Seoul. Es bleibe nur noch zu hoffen, dass China seinen Einfluss auf Kim ausüben werde, um den Test doch noch abzublasen, sagt Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye am Freitag nach Gesprächen mit US-Präsident Barack Obama. Den größten Teil seines Außenhandels wickle Nordkorea mit China ab. Auch Obama setzt auf den Einfluss Pekings - den traditionellen Verbündeten Pjöngjangs: „China hat die größte Wirkung auf Nordkoreas Kalkulationen.“

Entgeltliche Einschaltung

Doch Experten warnen, dass Pekings Einfluss auf Pjöngjang inzwischen ebenfalls begrenzt ist. Dazu kommt, dass China zwar die Sanktionsbeschlüsse des Weltsicherheitsrats nach den ersten drei Atomversuchen Nordkoreas mittrug. Doch auf einem völlig anderen Blatt steht, wie konsequent die Sanktionen umgesetzt werden. So findet Nordkorea etwa seit Jahren Wege, ein Embargo für Luxusartikel zu umgehen.

Zudem hat China kein Interesse daran, Pjöngjang zu diesem Zeitpunkt vollständig fallen zu lassen. „China will nicht, dass Nordkorea zusammenbricht“, sagte der frühere Sondergesandte für die Nordkorea-Politik der USA, Stephen Bosworth, am Donnerstag bei einem Seminar der Denkfabrik Council on Foreign Relations (Rat für auswärtige Beziehungen) in Washington. China wolle nicht mit einem wiedervereinigten Korea zu tun haben, das von Südkorea dominiert werde und starke militärische Beziehungen zu den USA pflege. Bosworth zweifelt auch, ob Sanktionen das wirksamste Mittel gegen Nordkoreas Atomdrohungen ist. „Meine Antwort würde sein: Bindet sie in ein sinnvolles regionales Wirtschafts-Netzwerk ein.“

50 x € 100,- Heizkostenzuschuss zu gewinnen

TT-ePaper 4 Wochen gratis ausprobieren, ohne automatische Verlängerung

Wann Nordkorea einen neuen Atomtest durchführt, weiß niemand. Bisher wurden die Tests jeweils im Abstand von einigen Jahren durchgeführt - 2006, 2009 und den bisher letzten im Februar 2013. Doch die Spannungen haben sich seit dem vergangenen Jahr deutlich erhöht.

Für den Experten Park Young Ho vom Koreanischen Instiut für Nationale Vereinigung (KINU) in Seoul ist China nicht der einzige Gesprächspartner, um Nordkorea noch von einem Atomtest abzubringen. Falls Südkorea und die USA die Bedingungen zur Wiederaufnahme der Sechs-Länder-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm lockern würden, könnte ein neuer Dialog entstehen.

Bisher lehnt Nordkorea die Forderung Washingtons und Seouls ab, seinen Willen zum Abbau des Nuklearprogramms mit konkreten Schritten unter Beweis zu stellen. „Sie könnten vielleicht signalisieren, dass Nordkorea zunächst zu einem Testmoratorium zurückkehren könnte“, sagt Park. Doch die Chancen schwinden. Für Nordkorea seien die Atom- und Raketenwaffen die Grundelelement seiner Strategie gegen das südkoreanisch-amerikanische Bündnis.

Park Geun Hye und Obama machen deutlich, dass sie den Druck auf Nordkorea erhöhen wollen. Es sei an der Zeit über neue Sanktionen mit „mehr Biss“ nachzudenken, sagt Obama. Doch auch warnt er, dass die Wirkungen der Sanktionen auf ein ohnehin abgeschottetes Land begrenzt sind. „Wir finden keine Wunderwaffe, dass das Problem über Nacht löst.“

Die USA und Südkorea demonstrieren deshalb am Freitag Geschlossenheit. Konservative Kräfte dringen schon länger darauf, den mehrmals verschobenen Transfer der Befehlsgewalt für den Kriegsfall von den US-Streitkräften auf Südkorea erneut zu verschieben. Am Freitag kündigen beide an, über einen neuen Termin nachzudenken.


Kommentieren

Entgeltliche Einschaltung