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Bessere Lernbedingungen für sozial benachteiligte Schüler gefordert

Wien (APA) - Regelmäßig zeigen Vergleichsstudien, dass Bildung in Österreich vererbt wird. Arbeiterkammer (AK), Armutskonferenz und die Init...

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Wien (APA) - Regelmäßig zeigen Vergleichsstudien, dass Bildung in Österreich vererbt wird. Arbeiterkammer (AK), Armutskonferenz und die Initiative „Bildung grenzenlos“ fordern deshalb am Dienstag bei einer gemeinsamen Enquete mehr Geld für Problemschulen, um soziale Unterschiede besser auszugleichen. Munition bekommen sie durch eine von der AK beauftragte Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS).

Man könne mit dieser Methode die Spaltung in „gute“ und „schlechte“ Wohngegenden zwar nicht aufheben, aber immerhin an den Schulen einiges verbessern, betont Martin Schenk (Armutskonferenz). Es sei nachgewiesen, dass zusätzliche Ressourcen für Gruppen mit besonderem Förderbedarf zu besseren Lernbedingungen führen können, begründet AK-Bildungsexpertin Gabriele Schmid die Forderung in einer Aussendung.

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„Es geht darum, nachteilige Hintergründe wie Migrationshintergrund oder Eltern mit lediglich Pflichtschulabschluss möglichst auszugleichen“, erklärt Studienautor Hermann Kuschej das Prinzip der „formelbasierten Bildungsfinanzierung“ im APA-Gespräch. In der Praxis würde das mehr Geld bzw. Personal für Schulen in sozial benachteiligten Bezirken bedeuten. Damit könnte man laut Kuschej eher verhindern, dass Jugendliche die Schule abbrechen und ganz aus dem System fallen.

Mehr Geld für Schulen in benachteiligten Regionen gibt es derzeit schon etwa in Australien, Teile des Budgets werden auch in Brasilien, den Niederlanden und Zürich nach sozialen Kriterien vergeben. Und auch in Österreich gibt es Beispiele, etwa die schon etablierten Sprachförderkurse für außerordentliche Schüler, für die es zusätzliches Personal gibt. Das System werde derzeit allerdings in den Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt, kritisiert Kuschej. „Ein Formelbudget würde einheitliche Kriterien bringen.“

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Das vom IHS entwickelte Modell sieht dabei nicht nur eine Berücksichtigung der individuellen Risiken (Migrationshintergrund, Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss) vor, sondern bezieht auch das Umfeld mit Wirtschaftslage bzw. (Jugend-)Arbeitslosigkeit in Bezirk und Region mit ein. Sind die Problembezirke identifiziert, können die Mittel nach Bedürfnissen der einzelnen Schulen verteilt werden. Solche Problemregionen sind neben einigen Wiener Bezirken (Margarethen, Rudolfsheim-Fünfhaus, Hernals) mit hohem Anteil an Migranten und Jugendarbeitslosigkeit etwa Landeck (Tirol) und Bruck an der Mur (Steiermark). Dort gibt es viele gering Gebildete, hohe Jugendarbeitslosigkeit und eine Branchenstruktur, die schlechte Arbeitsmarktchancen für gering gebildete Jugendliche erwarten lässt. Eine indexbasierte Finanzierung der Schulen könnte hier zu mehr Chancengerechtigkeit führen, mein Kuschej.

Er stellt allerdings auch klar: Eine Formelfinanzierung alleine könne nicht viel bewirken. Notwendig sei die Kombination mit einer Verwaltungsreform, um durch mehr Effizienz Geld freizuspielen, und ein Ende der frühen Aufteilung der Schüler in AHS und Hauptschulen/Neue Mittelschulen (NMS), wo Schüler mit Migrationshintergrund und Eltern mit geringer Bildung deutlich überrepräsentiert sind. Durch diese Segmentierung sei dem Einfluss der Schule, ein gleichmäßig hohes Kompetenzniveau zu vermitteln, nämlich „deutliche Grenzen gesetzt“.

Bei Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) stößt die Forderung nach indexbasierter Schulfinanzierung übrigens auf offene Ohren. Mit den Bildungsstandard-Testungen, bei denen auch Daten zum Hintergrund der Schüler erhoben werden, gehe man bereits in diese Richtung. Bei den Gesprächen mit den Ländern sollen in den kommenden Monaten mögliche Modelle einer solchen neuen Art der Finanzierung besprochen werden, hieß es auf Anfrage der APA aus dem Büro Heinisch-Hoseks.


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