Entgeltliche Einschaltung

Deutsche Industrie mit stärkstem Auftragsrückgang seit 1,5 Jahren

Berlin/Paris (APA/Reuters/dpa-AFX) - Unerwarteter Rückschlag für die deutsche Industrie: Nach vier Anstiegen in Folge sanken ihre Aufträge i...

  • Artikel
  • Diskussion

Berlin/Paris (APA/Reuters/dpa-AFX) - Unerwarteter Rückschlag für die deutsche Industrie: Nach vier Anstiegen in Folge sanken ihre Aufträge im März erstmals wieder, und das gleich so stark wie seit knapp eineinhalb Jahren nicht mehr. Die Bestellungen fielen vor allem wegen der schwächeren Nachfrage aus der Eurozone um 2,8 Prozent geringer aus als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit.

Auch die Verunsicherung wegen der Ukraine-Krise dürfte dazu beigetragen haben. Bankvolkswirte wurden von der Entwicklung auf dem falschen Fuß erwischt, sie hatten einen Anstieg um 0,3 Prozent erwartet. Der Zuwachs vom Februar wurde leicht von 0,6 auf 0,9 Prozent nach oben korrigiert.

Entgeltliche Einschaltung

„Der Anteil der Großaufträge war für einen März anders als im Vormonat stark unterdurchschnittlich“, erklärte das deutsche Wirtschaftsministerium. „Infolgedessen gingen insbesondere weniger Aufträge für Investitionsgüter und weniger Aufträge aus dem Euroraum ein.“ Auch die „aktuellen geopolitischen Ereignisse“ - gemeint ist wohl die Ukraine-Krise - dürften zu dem Minus geführt haben.

Ökonomen sehen den Aufschwung trotzdem nicht gefährdet. „Don‘t worry, be happy“, sagte UniCredit-Ökonom Andreas Rees. „Der Aufwärtstrend ist intakt, er ist sogar recht stark.“ Das Minus sei vor allem geringeren Großaufträgen geschuldet. Werden sie herausgerechnet, wären die Bestellungen von Jänner bis März um starke 1,9 Prozent zum Vorquartal gestiegen. „Der Aufschwung ist nicht abgeblasen“, sagte auch Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. „Die Erholung der Eurozone macht Hoffnung.“ Die meisten Krisenländer haben die Rezession beendet und wachsen wieder. Die zuletzt wieder gestiegene Stimmung in den Unternehmen lasse einen anhaltenden Aufwärtstrend vermuten.

50 x € 100,- Heizkostenzuschuss zu gewinnen

TT-ePaper 4 Wochen gratis ausprobieren, ohne automatische Verlängerung

Die Nachfrage aus dem Inland ging im März um 0,6 Prozent zurück, die aus dem Ausland um 4,6 Prozent. Dabei schrumpfte das Neugeschäft mit den Euro-Ländern um 9,4 Prozent, das mit dem Rest der Welt um 1,7 Prozent. Besonders kräftig fielen die Bestellungen für Konsumgüter mit 5,3 Prozent. Bei den Investitionsgütern, zu denen beispielsweise Maschinen und Fahrzeuge gehören, gab es einen Rückgang von 3,6 Prozent. Die Nachfrage nach Vorleistungsgütern wie Chemikalien nahm um 1,2 Prozent ab.

In Frankreich zeigen sich unterdessen immer mehr konjunkturelle Bremsspuren. Nach Zahlen des nationalen Statistikamts Insee fiel die Industrieproduktion im März um 0,7 Prozent schwächer aus als im Vormonat. Es war der stärkste Rückgang seit Mitte 2013. Ökonomen hatten dagegen mit einem Anstieg um 0,3 Prozent gerechnet. Im Februar hatten die Unternehmen zumindest noch ein Mini-Plus von 0,1 Prozent verbucht.

Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes deuten seit Monaten darauf hin, dass die französische Konjunktur anderen Euroländern hinterherhinkt. Die neue Regierung steht deswegen unter Reformdruck. Zugleich plädiert sie dafür, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Euro mit einer gezielten Wechselkurspolitik schwächt, um die Ausfuhren zu verbilligen und anzukurbeln. In Deutschland ruft die Forderung bisher wenig Gegenliebe hervor.


Kommentieren

Entgeltliche Einschaltung