Entgeltliche Einschaltung

YLine-Strafprozess - Gericht zieht Gutachter ab und bestellt neuen

Wien (APA) - Erstmals in einem großen österreichischen Wirtschaftsverfahren ist es im Strafprozess um die Internet-Firma YLine den Angeklagt...

  • Artikel
  • Diskussion

Wien (APA) - Erstmals in einem großen österreichischen Wirtschaftsverfahren ist es im Strafprozess um die Internet-Firma YLine den Angeklagten gelungen, den vom Gericht bestellten aber von ihnen für befangen gehaltenen Sachverständigen zu ersetzen. Zum neuen und somit bereits dritten Sachverständigen wurde heute am achten Verhandlungstag der Linzer Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Alexander Stefan bestellt.

Die Angeklagten und deren Anwälte haben nun gut eine Woche bis zum 15. Mai Zeit, Einwände gegen den neuen vom Gericht bestellten Sachverständigen einzubringen. Die angeklagten ehemaligen Yline-Vorstände und -Aufsichtsräte sowie die damalige Wirtschaftsprüferin hoffen nun aber auch, dass das von ihnen kritisierte Gutachten vom neuen Gutachter um bestimmte Themenbereiche und in der Zwischenzeit neu aufgetauchten Dokumente und E-Mails ergänzt wird. Vor allem der Themenbereich Partnerschaftsabkommen mit dem IT-Konzern IBM ist ihrer Meinung nach zu wenig berücksichtigt worden. Der Hauptangeklagte Ex-YLine-Chef Werner Böhm wirft IBM vor, den Vertrag nicht eingehalten zu haben. Dies sei der Hauptgrund für die YLine-Konkursanmeldung im Herbst 2001 gewesen.

Entgeltliche Einschaltung

Dem Ablehnungsantrag gegen Hallas werde stattgegeben, weil Hallas in der Hauptverhandlung auch als Zeuge in Frage komme. Zeuge und Sachverständiger gleichzeitig zu sein sei aber nicht möglich, begründete die dem Schöffensenat vorsitzende Richterin Marion Zöllner dessen Abberufung heute. Zugleich zogen die Verteidiger der Angeklagten heute die Einwände gegen Hallas zurück, damit dieser auch als Zeuge geladen werden kann.

Erst zu Beginn des YLine-Prozesses Ende April wurde Hallas statt des erkrankten ursprünglich vom Gericht vorgesehenen Sachverständigen Thomas Keppert als neuer Sachverständiger bestellt. Keppert-Mitarbeiter Hallas wurde umgehend wegen Befangenheit abgelehnt.

In der schriftlichen Ausfertigung füllt der Antrag 29 Seiten. Michael Rohregger, Verteidiger der mitangeklagten ehemaligen YLine-Wirtschaftsprüferin, begründet die Ablehnung darin einerseits mit beruflichen, wirtschaftlichen und persönlichen Verflechtungen Hallas mit dem im Vor- und Ermittlungsverfahren tätigen Sachverständigen Keppert - wodurch sich die Befangenheit von Keppert auch auf Hallas durchschlage. Weiters sieht er Gründe, die aus dessen Tätigkeit und persönlicher Involvierung in die gegenständliche Rechtssache resultieren. So habe Hallas etwa im Auftrag von Keppert im Ermittlungszeitraum 2002 bis 2012 an Einvernahmen teilgenommen. Er sei daher als Zeuge der Anklage anzusehen. Eine Heranziehung als Sachverständiger im Hauptverfahren würde einen Verstoß gegen die Menschenrechtskonvention nach sich ziehen. Diesen und anderen Argumenten konnte sich der Schöffensenat offensichtlich dann doch nicht verschließen, nachdem anfangs der Ablehnungsantrag noch abgewiesen worden war.

Auch auf Keppert hatten sich die Verteidiger gleich am zweiten Verhandlungstag eingeschossen. Da dieser erkrankt sei, solle sein Gutachten, das als Grundlage für die Anklage diene, nicht verlesen werden. Ihre Anträge begründeten die Verteidiger damit, dass wegen Kepperts Erkrankung die Angeklagten nicht die Chance hätten, den Sachverständigen während des Prozesses zu befragen. Außerdem kritisierten sie die Expertise inhaltlich.

Die Anklage im YLine-Prozess stützt sich stark auf das Gutachten von Keppert. Allein der durch die Untreuhandlungen bei der YLine verursachte Schaden beläuft sich laut Anklageschrift auf über 26 Mio. Euro.

Angeklagt sind neben Firmengründer und Ex-Firmenchef Werner Böhm noch zehn weitere Personen, nämlich ehemalige Vorstände und Aufsichtsräte sowie die frühere Wirtschaftsprüferin. Anklagevorwürfe sind Untreue, schwerer Betrug und Insiderhandel. Der heute 49-Jährige Böhm sowie die anderen Beschuldigten haben alle gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen.


Kommentieren

Entgeltliche Einschaltung