Spätes Nachspiel nach elf Jahren mit 24 Zeugen

Innsbruck – 22. Juli 2003: FC Wacker Tirol gegen SV Kapfenberg. Kapfenberg-Torhüter Kazimierz Sidorczuk schießt das Leder direkt ins Wacker-...

Innsbruck –22. Juli 2003: FC Wacker Tirol gegen SV Kapfenberg. Kapfenberg-Torhüter Kazimierz Sidorczuk schießt das Leder direkt ins Wacker-Tor, Schiedsrichter-Pfiffe, Fans auf dem Rasen, ein einschreitender Polizist mit Bandscheibenvorfall.

Zutaten von Gerichtsverfahren, die nun teils seit 11 Jahren laufen – die TT berichtete. Für das alles wurde ein damals 18-jähriger „Verrückter Kopf“ (Wacker-Fan-Klub) 2004 wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt verurteilt. Dazu reichte der seither zu Innendienst verdammte Polizist Klage wegen Schmerzengeld und Verdienstausfall ein – an die 100.000 Euro Forderungen sind angelaufen.

Schien das Schicksal des Burschen bereits besiegelt, brachte ein zufällig aufgetauchtes Privat-Video nun alles zum Kippen.

Eine Wiederaufnahme des Prozesses war gestern deshalb am Landesgericht die Folge. Verteidiger Mathias Kapferer: „Mich stimmt als Staatsbürger bedenklich, dass wir alle nur wegen eines reinen Zufalls hier sitzen – und zuvor war die Beweiswürdigung schon sehr zugunsten der Polizisten.“ Richterin Verena Offer hatte zum Video 24 Zeugen geladen – alle standen schon vor 11 Jahren auf der Liste und sahen sich heute bestätigt: „Da gab es gar keinen stürzenden Polizisten!“

Staatsanwalt Boris Kuznik sah hingegen jedenfalls „ein dynamisches Geschehen“ bei der Festnahme. Ebenso der gut gebaute Polizist: „Fakt ist, dass ich seither verletzt bin. Auch war das nicht meine erste Festnahme – wenn sich einer nicht heftig wehrt, passiert so etwas nicht!“ Jetzt muss am 27. Mai noch sein Kollege aussagen. (fell)


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